Zollstreit zwischen USA und Kanada
Zwischen den USA und Kanada ist der Handelskrieg wieder entbrannt. Nach gescheiterten Gesprächen traten am Samstag US-Zölle in Höhe von 50 Prozent auf eine Reihe kanadischer Güter in Kraft. Betroffen sind unter anderem Eishockeyschläger, Möbel und Wein. Kanadas Premierminister Mark Carney kündigte Gegenzölle ab 8. September an – vorrangig auf Produkte der US-Stahl-und Molkereibranche.
So demontiert sich der Westen selbst
Dass sich Kanada und die USA nicht einigen konnten, schadet nicht nur der Wirtschaft der beiden Länder, mahnt The Daily Telegraph:
„Welches Signal sendet es an andere Länder, allen voran an China, wenn zwei G7-Staaten ihre Handelsbeziehungen auf diese Weise beschädigen? ... Kanada ist der wichtigste Absatzmarkt für US-Waren, während es seinerseits 75 Prozent seiner Produkte nach Süden in die USA exportiert. Die beiden Länder unterhalten eine der größten bilateralen Handelsbeziehungen der Welt, und diese derart aufs Spiel zu setzen, ist blanker Wahnsinn. ... Der Westen ist durch böswillige globale Akteure schon ausreichend bedroht, ohne dass man nun auch noch mutwillig einen Keil zwischen zwei seiner standhaftesten demokratischen Säulen treiben sollte.“
Carney lässt es drauf ankommen
Mark Carney zeigt Rückgrat und Risikobereitschaft, lobt Corriere della Sera:
„Im Handelskrieg zwischen Washington und Ottawa gibt es vorerst nur einen Gewinner: kanadischen Whisky. Leicht, ideal für Cocktails und im Premium-Segment hochwertig genug, um amerikanischen Bourbon zu ersetzen. ... Alles andere ist eine Wette des liberalen Premierministers Mark Carney, der im vergangenen Jahr triumphal gewählt wurde, um den angeschlagenen Justin Trudeau im Kräftemessen mit Trumps Amerika abzulösen. Am Freitag ist die Wette geplatzt. Seit Mitternacht werden neue US-Zölle von 50 Prozent auf tausende kanadische Produkte im Wert von 20 Milliarden Dollar erhoben, von Holz bis zu Hockeyschlägern. Carneys angekündigte Vergeltungsmaßnahme tritt am 8. September in Kraft, 'Dollar für Dollar'.“
Auch für Trumps Team ein Schlag ins Kontor
Der Handelskrieg mit Kanada kommt auch Washington ungelegen, analysiert De Volkskrant:
„Es steht fest, dass die Eskalation des Handelskonflikts für die US-Regierung zu einem ungünstigen Zeitpunkt kommt. In der vergangenen Woche nahmen die Sorgen an den Finanzmärkten über die steigende US-Staatsverschuldung zu, unter anderem wegen des Krieges im Iran. Zudem ist die Inflation in den USA nach wie vor nicht unter Kontrolle, und die Verbraucher beklagen sich über die Kraftstoffpreise sowie steigende Zinsen für Hypotheken, Kreditkarten und Autokredite. Anfang November finden in den USA die Zwischenwahlen statt.“