Dänemark: Spiralen-Skandal in Grönland überwunden?
Dänemark hat letzte Woche beschlossen, etwa 4.500 Grönländerinnen eine Entschädigung von jeweils umgerechnet rund 40.000 Euro zu zahlen. Von 1960 bis 1991 waren Frauen auf Grönland ohne ihr Wissen und Zustimmung Spiralen zur Empfängnisverhütung eingesetzt worden. Zwei vorgelegte Gutachten, ob dies den Tatbestand des Völkermords erfüllte, kamen zu keiner einheitlichen Meinung. Dänische Medien erörtern, was aus dem Spiralen-Skandal folgt.
Diskussion sollte nun sachlicher werden
Berlingske hofft auf ruhigeres Fahrwasser und Gespräche:
„Es ist gut, dass die Regierung einen solchen respektvollen Dialog führt. Versöhnung ist nach wie vor notwendig, doch sollte der Dialog künftig in einem weniger schrillen Ton geführt werden, und unter die irrtümliche Diskussion über Völkermord sollte ein endgültiger Schlussstrich gezogen werden.“
Gemeinsame Aufarbeitung wäre konstruktiv
Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen schlägt eine Versöhnungskommission vor. Jyllands-Posten hält das für eine gute Idee:
„Eine Versöhnungskommission kann den betroffenen Frauen und ihren Familien eine Stimme geben, den gesamten historischen Verlauf aufarbeiten und ein gemeinsames Verständnis der Vergangenheit schaffen – als Grundlage für ein besseres Verhältnis zwischen Grönland und Dänemark in der Zukunft. Das ist weitaus wertvoller als die Verfolgung eines Gerichtsverfahrens, das wahrscheinlich ohne Urteil enden und damit im Sande verlaufen wird.“
Grönlander aus der Opferrolle holen
Weekendavisen plädiert für Integration auf Augenhöhe:
„Die Vergangenheit ist voller Übergriffe, die in bester Absicht begangen wurden. ... Auch in Dänemark. Bis 1967 wurden Kinder in der Schule geschlagen, Homosexualität galt noch bis 1981 als psychische Erkrankung. ... Von dänischer Seite aus müssen wir den Grönländern zu einem alternativen Selbstverständnis verhelfen, wenn das Königreich erhalten bleiben soll. Sie müssen spüren, dass wir ihnen wohlgesonnen sind. Dass sie Dänemark größer machen – und zwar nicht vorrangig geografisch. Nehmen wir Grönland in den Lehrplan auf, lassen wir grönländische Moderatoren und Realityshow-Teilnehmer im dänischen Fernsehen zu. ... Wir erweisen den Grönländern keinen Gefallen, wenn wir sie in ihrer Opferrolle bestärken.“