Drohnenangriffe in ukrainisch-polnischer Grenzregion
Unweit der polnischen Grenze ist am Sonntag in der Ukraine ein Passagierzug von einer russischen Drohne getroffen worden. Der Zug war auf dem Weg von Kyjiw nach Warschau. Die 206 Fahrgäste konnten rechtzeitig evakuiert werden, sodass niemand verletzt wurde. Auch eine Tankstelle in der ukrainischen Grenzregion zu Polen wurde getroffen. Angesichts der Nähe der Angriffe herrscht in Polen seither große Besorgnis.
Moskau scheut offenbar kein Risiko mehr
Die Gazeta Wyborcza wertet den Angriff auf den Zug als Zeichen dafür, dass Russland nicht mehr davor zurückschreckt, Bürger von Nato-Staaten zu töten:
„Bislang hielten sich die Russen von den Grenzübergängen an der westlichen Grenze der Ukraine – über die westliche Hilfe ins Land gelangte – fern, vermutlich aus Sorge, Bürger von Nato-Staaten zu töten oder ihr Ziel zu verfehlen und durch die Explosion einer Rakete Schäden oder gar Opfer auf polnischer, sprich auf Nato-Seite, zu verursachen. Der Angriff auf den Zug nach Warschau ist ein Signal dafür, dass Russland dieses Risiko offenbar nicht mehr scheut. Es ist bereit, Opfer auf unserer Seite in Kauf zu nehmen. Vielleicht nimmt es sogar ganz gezielt Bürger von Nato-Staaten ins Visier.“
Kreml will Unterstützung für Ukraine schwächen
Der liberale Publizist Leszek Jażdżewski schreibt auf Interia, die Drohnenangriffe seien ein Schuss vor den Bug Europas:
„Putin versteht, dass in diesem Krieg die Unterstützung der Ukraine durch Westeuropa auf wackligen Beinen steht – dass es dort keine große Entschlossenheit zum Kampf gibt. Und dass gezielt geschürte innere Spannungen sowie nationalistische und antiukrainische Stimmungen – wie in Polen – Wirkung entfalten können: Sie könnten dazu führen, dass die westliche Unterstützung der Ukraine in einem für den Kriegsverlauf entscheidenden Moment geschwächt wird.“