Vereinigte Königreich: Ist die Einheit bedroht?
Die Regierungschefs von Schottland, Wales und Nordirland haben am Montag eine Erklärung unterzeichnet, in der sie mehr Selbstbestimmung für ihre zum Vereinigten Königreich gehörenden Landesteile fordern. Schottlands Ministerpräsident John Swinney sprach sich für ein weiteres Unabhängigkeitsreferendum für seine Nation innerhalb von fünf Jahren aus. Kommentatoren fragen sich, wie groß die Bedeutung dieses Treffens ist.
Großer Moment für die Nationalisten
La Repubblica sieht ein historisches Ereignis:
„Die Revolution beginnt in einem Fünf-Sterne-Hotel an der Bucht von Cardiff. ... Um zehn Uhr morgens betreten die vier Musketiere der Unabhängigkeit das luxuriöse Hotel St. David's zu einem 'historischen Ereignis': einem noch nie dagewesenen Gipfeltreffen, das das Vereinigte Königreich auseinanderreißen soll und in einer gemeinsamen Absichtserklärung mündet, die nicht nur den Weg zur Unabhängigkeit der einzelnen Nationen ebnet, sondern auch den Beitritt zur Europäischen Union. ... Es ist ihr großer Moment. Es ist noch nie vorgekommen, dass die Regierungschefs der drei Nationen des Vereinigten Königreichs alle Nationalisten und vor allem Unabhängigkeitsbefürworter waren.“
Das Geld nehmen sie gerne
Ohne finanzielle Unterstützung aus London würden die drei Landesteile nicht überleben, ätzt The Daily Telegraph:
„Sie nehmen gerne vom englischen Steuerzahler finanzierte Subventionen entgegen, hegen aber Groll gegen die Macht und Dominanz des Landesteils. Der verstorbene Gerry Fitt, Vorsitzender der nationalistischen SDLP in Nordirland, formulierte es so: 'Ihr Motto lautet: Briten raus – aber lasst eure Geldbeutel ruhig auf dem Kaminsims liegen.' Wie die drei anderen Teile des Vereinigten Königreichs ohne die Unterstützung der englischen Steuerzahler überleben würden, ist ein Rätsel. Die Zahlungen an die schottische, walisische und nordirische Verwaltung beliefen sich im vergangenen Jahr auf 45 Milliarden Pfund [rund 53 Milliarden Euro], 20 Milliarden Pfund beziehungsweise 18 Milliarden Pfund.“
Ohnmacht der Londoner Eliten
Die Gewährung weitgehender Autonomie in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten rächt sich nun, klagt The Spectator:
„Aus Londoner Sicht schien die Dezentralisierung ein Weg zu sein, die Probleme Schottlands, Wales' und Nordirlands aus der Welt zu schaffen. Regiert euch selbst! Das haben diese versucht und jetzt wollen sie mehr. Sie sind über die extrem weitreichenden Grenzen der Dezentralisierung hinausgewachsen und wollen die volle Unabhängigkeit. ... Es darf bezweifelt werden, dass sich eine Gegenbewegung bilden wird, um die Dezentralisierung umzukehren. ... Die Nachrichtenlage wird sich wieder ändern, und alle werden in ihre gewohnte Komfortzone zurückkehren. Die Eliten Großbritanniens – und nicht nur die – glauben nicht mehr genug an ihr Land, um es zu verteidigen und zu bewahren.“