Frankreich: Antisemitismusvorwürfe gegen Bardella
Jordan Bardella, dem Vorsitzenden des rechtspopulistischen Rassemblement National, werden verfängliche Äußerungen aus seiner Jugend vorgeworfen: Nach Angaben des Rechercheportals Mediapart hat er von 2013 bis 2015 als politischer Aktivist wiederholt "obsessiven Antisemitismus" in Kurznachrichten verbreitet. Der heute 31-jährige Nachwuchsstar des RN streitet die Vorwürfe ab und will rechtlich gegen das Medium vorgehen.
Parteiinterne Schlammschlacht
Die Enthüllungen verdeutlichen, wie groß die Spannungen in der Partei sind, analysiert Kolumnist Jonathan Bouchet-Petersen in Libération:
„Intern sind die Messer gezückt zwischen Marine Le Pens engstem Kreis, der seit der offiziellen Bekanntgabe ihrer Präsidentschaftskandidatur wieder die Zügel in der Hand hat, und jenem von Jordan Bardella. ... Es scheint, als sei das Vertrauensverhältnis zwischen der Chefin und ihrem Zögling zerrüttet. Sicher ist: Sollten sich die Enthüllungen von Mediapart in den kommenden Tagen durch unwiderlegbare Dokumente bestätigen, wird Marine Le Pen keine andere Wahl haben, als den Mann zu vertreiben, den sie sich seit Langem als ihren Premierminister für 2027 vorgestellt hat. Dies ist vermutlich das Ziel derjenigen, die Mediapart die Informationen zugespielt haben.“
Wichtiger ist, was heute gesagt wird
Mediapart kocht die Enthüllungen zu hoch, findet Causeur-Chefredakteurin Elisabeth Lévy:
„Es ist nicht sicher, dass dieser antifaschistische Zirkus im Land auf fruchtbaren Boden fällt. Für die meisten Leute – und vielleicht auch für nicht wenige Juden – ist wichtig, was die Politiker heute sagen und machen, nicht das dumme Zeug, das sie früher vielleicht gesagt oder gedacht haben. Die verdeckt antisemitischen Äußerungen von aktuellen Politikern der [Linkspartei] La France Insoumise sind für viele eine Freikarte, Juden zu hassen, und weitaus gefährlicher als – Verzeihung – etwaige jugendliche Dummheiten.“