Finnland: Einbrüche in Abgeordnetenwohnungen
In Finnland wird wegen mutmaßlicher Einbrüche in die Wohnungen von Abgeordneten ermittelt. In mehreren Fällen wurden Spuren entdeckt, gestohlen wurde offenbar jedoch nichts. Täter und Motiv sind bislang unbekannt. Alle Augen richten sich nach Russland, einen Beleg für eine russische Beteiligung gibt es bisher nicht. Die Presse diskutiert, wie Politik und Demokratie vor Einschüchterung geschützt werden können.
Russland ist Hauptverdächtiger
Ilta-Sanomat sieht eine Verbindung zu Finnlands Ukraine-Unterstützung:
„Bei den Einbrüchen in die Wohnungen sind keine Einbruchsspuren zurückgeblieben. Der Eindringling war also entweder ein geschickter Einbrecher oder hatte auf irgendeine Weise Zugang zu den Schlüsseln. Da das Phänomen nun öffentlich gemacht wurde, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Täter noch gefasst wird. Theoretisch gibt es natürlich auch andere mögliche Täter als Russland. Auch China ist dafür bekannt, Ausländer mit denselben Mitteln zu überwachen. Der erfahrene Abgeordnete Ben Zyskowicz könnte jedoch mit seiner Vermutung richtig liegen, dass der Täter eine Kürzung der finnischen Hilfe für die Ukraine erreichen will.“
Offenheit macht stark
Die Finnen brauchen keine Angst zu haben, betont Savon Sanomat:
„Ohne Details zu Fragen der Sicherheit preiszugeben, ist Offenheit die wirksamste Antwort einer offenen Gesellschaft auf ihre Gegner. Öffentlichkeit sendet der Gegenseite die Botschaft: Wir wissen, was ihr tut, wir nehmen es ernst, aber wir haben keine Angst, und wir sind weiterhin vorbereitet. ... Russland ist eine Scheindemokratie, in der echte politische Opposition zum Schweigen gebracht wurde und deren Angriff auf die Ukraine ein Ausdruck der sich ständig verschärfenden Perspektivlosigkeit ist. Finnland hingegen ist eine echte Demokratie, in der die Bürger ihre Vertreter bei den Wahlen im April erneut selbst wählen. Die Finnen können ohne Angst zur Wahl gehen im Bewusstsein dessen, dass Sabotageakte aufgedeckt werden und man sich auf sie vorbereitet.“
Kühlen Kopf bewahren
Für das Funktionieren der Gesellschaft relevante Personen müssen besser geschützt werden, fordert Iltalehti:
„Die beste und wirksamste Botschaft seit Beginn des russischen Angriffs lautet: Man muss einen kühlen Kopf bewahren und handeln. Auf staatlicher Ebene bedeutet dies Vorsorge, und auf individueller Ebene, sich nicht von Ängsten beherrschen zu lassen. Das bedeutet auch, dass wichtige Politiker, Beamte und andere für das Funktionieren der Gesellschaft zentrale Personen besser als bisher geschützt werden müssen. Das bedeutet nicht nur physischen Schutz, sondern auch die Sicherung der Kommunikationswege. In einer offenen Gesellschaft ist das nicht einfach, aber wir leben ja auch nicht in gewöhnlichen Zeiten.“