Papst Leo XIV. wegen Lungenkrebs operiert
Bei Leo XIV. wurde am Dienstag der untere Lappen des rechten Lungenflügels entfernt, teilte der Vatikan mit. Dort war bei einer Kontrolluntersuchung ein Adenokarzinom entdeckt worden. Die Operation sei erfolgreich und ohne Komplikationen verlaufen, hieß es. Die Medien erörtern, was die Krebserkrankung des 71 Jahre alten Papstes für die katholische Kirche bedeuten könnte.
Reformgegner könnten nun auf Zeit spielen
Die Erkrankung könnte Leos Reformpläne gefährden, gibt The Times zu bedenken:
„Die Stabilität der Kirche hängt in hohem Maße von der Gesundheit eines einzigen Mannes ab. Sollten intrigante Prälaten im Vatikan, die Leos geplante Reformen ablehnen, den Eindruck gewinnen, dass seine Kräfte schwinden, könnte sie das ermutigen, sich seiner Amtsführung zu widersetzen und auf seinen Nachfolger zu warten. ... Beobachter gingen davon aus, dass er gut 15 Jahre Zeit hätte, sich in aller Ruhe darauf zu konzentrieren, die Kirche nach den turbulenten Kämpfen zwischen Liberalen und Konservativen in den Jahren unter Franziskus wieder auf einen ruhigeren Kurs zu bringen.“
Beschleunigungs- oder Bremsfaktor
La Stampa sieht nun zwei mögliche Szenarien:
„Die Krankheit des Papstes könnte das Handeln von Leo beschleunigen, wie es bei Johannes XXIII. der Fall war: Er wurde in den 1950er-Jahren im Alter von 77 Jahren gewählt und berief das Konzil ein, weil er wusste, dass ihm nicht viel Zeit blieb und er schnell handeln musste. Oder der Faktor Krebs kann die päpstliche Geopolitik schwächen und verlangsamen, wie es in den letzten fünf Jahren der Amtszeit von Karol Wojtyła geschah, als aufgrund der angeschlagenen Gesundheit des Papstes nicht mehr klar war, wer in der Kurie das Sagen hatte: Die internationale Stimme des Heiligen Stuhls wurde so schwach und kaum wahrnehmbar wie die Gesundheit des Papstes.“
Dank Früherkennung gute Heilungschancen
Tygodnik Powszechny spekuliert nicht mit und hofft auf eine vollständige Genesung des Papstes:
„Unter der Annahme, dass es sich tatsächlich um einen kleinen Tumor (unter 2 cm) mit geringem Malignitätsgrad handelt, der in einem frühen Entwicklungsstadium entdeckt wurde, besteht Hoffnung auf eine vollständige Heilung des Patienten von der Krebserkrankung. Die in solchen Fällen angeführten Statistiken sind ermutigend: Die Fünfjahresüberlebensrate kann in einem solchen Fall sogar bis zu 90 Prozent betragen.“