Trumps umstrittene Regierungsmannschaft

Neben Rex Tillerson als Außenminister hat Donald Trump weitere Kandidaten in sein Kabinett berufen, die aus der Geschäftswelt stammen und wenig bis keine politische Erfahrung mitbringen. Dazu kommen Ex-Militärs, Ultrakonservative und Klimaskeptiker. Kommentatoren sehen in der Auswahl die Bestätigung für all ihre Befürchtungen im Zusammenhang mit Trumps Präsidentschaft.

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Contributors (RO) /

Lauter systemtreue Milliardäre

Trump hatte sich im Wahlkampf als Kritiker der Eliten gegeben, doch sein Kabinett ist alles andere als gegen das System gerichtet, beobachtet der Politikexperte Valentin Naumescu auf Contributors:

„Die Trump-Verwaltung wird den Anzeichen nach aus extrem mächtigen Leuten bestehen, viele von ihnen sind enorm reich, haben Karrieren hingelegt und Top-Leistungen erzielt. Wichtig daran ist, dass all diese Leute innerhalb des Systems reich geworden sind (ebenso Trump). In jenem 'korrupten System' - mit der Wall-Street an der Spitze - von dem viele Wähler Trumps dachten, dass es der neue Präsident nach seiner Amtseinführung vernichten würde. ... Das Kabinett aus Milliardären und pensionierten Generälen der Trump-Verwaltung wird hingegen das System vielmehr festigen, sehr zur Bestürzung von Trumps Wählern aus der Mittelschicht und der bereits prominenten 'weißen Arbeiterklasse', die in manchen Schlüsselstaaten zugunsten Trumps das Zünglein an der Waage war.“

Sme (SK) /

Beängstigendes Kuriositäten-Kabinett

Donald Trump könnte erhebliche Probleme mit der Bestätigung von Rex Tillerson zum Außenminister durch den Senat bekommen, meint Sme:

„Für die Republikaner ist Tillerson wegen seiner Verbundenheit mit Wladimir Putin ein rotes Tuch. Die 'Falken' in der Partei betrachten Russland als Hauptfeind Amerikas. Die Tatsache, dass Tillerson den russischen Freundschaftsorden trägt und Exxon den Russen eine energetische Partnerschaft versprach, lässt eine turbulente Senatsdebatte erwarten. ... Wie man allgemein Beschwerden darüber hört, dass Trump ein Kuriositäten-Kabinett zusammenstellt, mit Milliardären, Armee-Generälen, Autoren von Verschwörungstheorien und Klimaskeptikern. Tillerson glaubt an den Klimawandel und will ihn stoppen. Und ja, er gilt als persönlich und beruflich integer. Wahr ist aber auch, dass wir erst wissen, wie Trumps Leute arbeiten, wenn sie damit beginnen. Eine erschreckende Aussicht, bedenkt man, was alles auf dem Spiel steht.“

Etelä-Suomen Sanoma (FI) /

Trump hört nur, was er hören will

Trump hat bereits gezeigt, dass er resistent gegenüber gutem Rat ist und die Auswahl seines Regierungsteams bestätigt dieses Bild, findet Etelä-Suomen Sanomat:

„Aufgrund seiner Wahlkampfreden wird Trump unterstellt, sich um die Freundschaft Russlands und Putins zu bemühen, was in Finnland die Befürchtung weckte, dass die Großmächte zur alten Politik der Einflusszonen zurückkehren könnten. Der Argwohn wird auch nicht dadurch gemildert, dass Trump die CIA-Informationen als lachhaft abgetan hat. Die Hauptaufgabe der CIA ist es, die Führung der USA über Sicherheitsfragen auf dem Laufenden zu halten. Indem er öffentlich sein Misstrauen gegenüber den für die nachrichtendienstliche Aufklärung verantwortlichen Behörden kundgetan hat, könnte Trump enthüllt haben, warum er bei seinen Ernennungen nicht Experten, sondern Personen außerhalb der Politik bevorzugt. Dabei besteht die Gefahr, dass Trump auch als Präsident konsequent seine Augen und Ohren vor Informationen verschließt, die nicht seinem Weltbild entsprechen.“

Mehr Meinungen

The Guardian (GB) / 15. Dezember 2016
  Personalisierter Anti-Klimaschutz (auf Englisch)