Bei Söldner-Recherche: Russisches TV-Team ermordet

In der Zentralafrikanischen Republik ist ein russisches Fernsehteam getötet worden. Die drei Reporter wollten in dem Bürgerkriegsland im Auftrag eines Recherchebüros des Exil-Oligarchen Michail Chodorkowski eine Dokumentation über die russische Söldnertruppe 'Wagner' drehen. Regierungskritische russische Medien schenken den offiziellen Verlautbarungen zu dem Vorfall keinen Glauben.

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Nowaja Gaseta (RU) /

Die Legende von den zehn Turban-Trägern

Nowaja Gazeta hält die sich nun verbreitenden Informationen für ein Ablenkungsmanöver:

„In allen russischen Medien heißt es jetzt: 'Russische Journalisten von Arabern getötet' oder 'Es waren zehn Araber in Turbanen'. Aber warum gibt man die Worte eines Menschen [des Fahrers, der überlebt hat] wieder, der das Team wohl in eine Falle gelockt hat? Es ist seltsam, einen mutmaßlichen Tatbeteiligten als Quelle zu nutzen. ... Ob das die Tat von Banditen war in einem Land, wo ein Leben weniger wert ist als im Donbass, oder ob unsere 'Militärberater' ihr Okay gegeben haben, das ließe sich leicht herausfinden. Wenn die 'Wagner-Leute', erzürnt darüber, dass ein Verdacht auf sie fällt, die Herausgabe des Fahrers verlangen, Namen erfragen und die Mörder finden würden, dann wäre das die eine Geschichte. Doch wenn die russischen Ermittlungsbehörden 'zehn Araber in Turbanen' suchen, dann ist es eine ganz andere.“

Ekho Moskvy (RU) /

Wer geheimen Soldaten in die Quere kommt...

Anton Orech von Echo Moskwy vermutet, dass die Vor-Ort-Recherche auf diese brutale Weise verhindert werden sollte:

„Das Team wollte einen Film drehen über Leute, die es offiziell nicht gibt. Über Leute, die im Geheimen operieren, deren Existenz unsere Regierung dementiert und zu denen russische Amtspersonen sogar jetzt nur ausweichend antworten. Die umgekommenen Journalisten wollten einen Film drehen über Leute, die es gewohnt sind, zu töten. Die ungerührt für Geld töten, egal wen und wo. Und an Orten wie diesem kann man faktisch ungestraft Menschen umbringen. Niemand findet die geringste Spur und nichts ist zu beweisen. Von der Ankunft eines Filmteams aus Russland wussten wohl alle, die das interessierte. ... Ich habe natürlich keine harten Beweise, aber meine Zweifel kann mir niemand verbieten.“