Griechenland: Mutter von Tempi-Opfer gründet Partei
Maria Karystianou, Kinderärztin und Mutter eines Opfers des Zugunglücks von Tempi, hat in einem TV-Interview die Gründung einer neuen Partei angekündigt. Sie soll den Unmut vieler Bürger über das politische System kanalisieren. Karystianous Popularität liegt in einer aktuellen Umfrage bei 33 Prozent und damit vor Premierminister Kyriakos Mitsotakis mit 26 Prozent sowie allen anderen Spitzenpolitikern.
Attraktiv für alle Abgehängten und Außenseiter
Das Webportal Liberal schreibt Karystianou ein großes Spektrum an Anhängern zu:
„Sie bringt vehement das moralische Element der 'Gerechtigkeit' ins politische Leben ein, was ein breiteres, nicht politisiertes Publikum anzieht. Dieses Publikum wurde durch die [Spar-]Memoranden radikalisiert und dazu erzogen, alle Übel des Landes dem gegenwärtigen politischen System zuzuschreiben, wobei es die parallelen großen Erfolge des Landes übersieht. Daher erreicht die neue Partei laut Umfragen ein breiteres Publikum, das von systemkritischen Rechtsextremen über 'verwirrte Verschwörungstheoretiker' aller Couleur bis hin zu enttäuschten Linken reicht und auch diejenigen erreicht, die das 'Chaos' suchen, weil sie glauben, dass sie 'nichts mehr zu verlieren' haben.“
Viel Spielraum dank politischem Vakuum
Efimerida ton Syntakton konstatiert ein Versagen der Linken:
„Wie wir im Interview gesehen haben und ohnehin wissen, wird die Partei konservativ sein. ... Alle Linken, die Maria Karystianou kritisieren oder sogar beschuldigen, haben heute nichts für Griechenland vorzuschlagen. [Der liberal-konservative Ministerpräsident] Mitsotakis hat keinen Gegner, und die Linke in unserem Land spaltet sich immer mehr. Ist die Antwort auf Mitsotakis mehr linke Parteien mit 1, 2 und 3 Prozent gegen ihn? … Maria Karystianou würde es heute nicht geben, wenn es in Griechenland Gerechtigkeit gäbe und kein riesiges politisches Vakuum. Die größte Verantwortung für dieses politische Vakuum trägt die Linke.“