Ukraine: Erneut Angriffe auf Energieinfrastruktur

Gerade als in der Ukraine besonders heftiger Frost herrschte, hat Russland in der Nacht auf Dienstag erneut Energieanlagen im ganzen Land angegriffen. Donald Trump hatte mit Wladimir Putin ein einwöchiges Angriffs-Moratorium vereinbart, doch war bis zuletzt unklar geblieben, in welchem Zeitrahmen es galt. Kommentatoren beleuchten vor der am heutigen Mittwoch in Abu Dhabi beginnenden neuen Verhandlungsrunde zur Beendigung des Krieges Putins aktuelles Vorgehen.

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24tv.ua (UA) /

Pause nur ein Täuschungsmanöver

Putin hat Trumps Bitte schlicht ignoriert, schreibt Publizist Witalij Portnykow in 24tv.ua:

„Putin hat Trumps Bitte, die Energieinfrastruktur der Ukraine gerade bei starkem Frost nicht anzugreifen, außer Acht gelassen. Deshalb stellt sich die Frage, ob Putin tatsächlich an irgendeinen Energie-Waffenstillstand gedacht hat. … Es konnte ausschließlich darum gehen, dass Russland eine ausreichende Menge an Kalibr- und Iskander-Raketen sowie Drohnen für einen erneuten massiven Angriff auf die Ukraine anhäufen wollte. Gut möglich, dass Putin dies in seiner Kommunikation mit Trump sogar als 'Waffenstillstand' oder als seine Bereitschaft bezeichnet hat, dem amerikanischen Präsidenten 'entgegenzukommen'.“

The Moscow Times (RU) /

Ein Schlag in Trumps Gesicht

The Moscow Times betont die Irrationalität in Putins Vorgehen:

„Der demonstrative Beschuss der ukrainischen kritischen Infrastruktur ist ein Schlag Putins in Trumps Gesicht. Trump hat Putin nicht nur gebeten, im bitterkalten Frost und während der Verhandlungen keine Angriffe auf ukrainische Städte zu unternehmen, sondern auch der ganzen Welt stolz erzählt, wie Putin auf ihn hört. Ein Schlag in Trumps Gesicht in einer Situation, die der russischen Seite jede Menge Dividenden hätte bringen können, ist irrational. Es wird noch Frost geben – der ganze Februar soll kalt werden. Hätte Putin die öffentliche Bitte von Trump erfüllt, könnte er ihn noch um irgendwas bitten, und das sogar nichtöffentlich. Es wäre vernünftiger gewesen, sich zurückzuhalten.“

Unian (UA) /

Langfristiges Kalkül

Unian erläutert Russlands Motive hinter den Angriffen auf die Energieinfrastruktur:

„Der Kreml verfolgt mit dem Versuch, das Energiesystem der Ukraine zu zerstören, nicht nur kurz- und mittelfristige Ziele, nämlich, die Ukraine zu einem Frieden zu seinen Bedingungen zu zwingen. Es gibt auch langfristige Ziele: Man will die Möglichkeiten der Ukraine für einen schnellen Wiederaufbau nach Kriegsende mit Hilfe des Westens ruinieren. Und den Ukrainern auf der Ebene des Unterbewussten und der Reflexe Angst einflößen: 'Hauptsache, es gibt keinen Krieg mehr!' Damit die Ukrainer bei künftigen Wahlen für Parteien stimmen, die sich für eine Normalisierung der Beziehungen zu Russland einsetzen werden.“