Griechenland und Türkei: Gespräch auf höchster Ebene
Am Mittwoch hat Griechenlands Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdoğan in Ankara besucht. Bei dem lange aufgeschobenen Treffen wurden mehrere Vereinbarungen unterzeichnet. Territoriale Spannungen in der Ägäis und die ungelöste Zypernfrage belasten das Verhältnis jedoch weiterhin. Medien beider Länder betonen, dass die Beziehungen noch immer heikel sind.
Mitsotakis ist dialogbereiter als sein Umfeld
Mitsotakis wäre eigentlich bereit für mehr Annäherung, doch stößt er damit auf Widerstand in der griechischen Gesellschaft und Politik, kommentiert Yetkin Report:
„Es war nicht überraschend, dass Verteidigungsminister Nikos Dendias, der die 'positive Agenda' in den Beziehungen zur Türkei nicht unterstützt und Mitsotakis' Schritte zum Ausbau der Beziehungen ablehnt, nicht in der Ankara-Delegation vertreten war. [Der türkische] Außenminister Hakan Fidan hatte bei der jährlichen Bewertungssitzung Anfang 2026 erklärt, dass man sich bewusst sei, dass die von Mitsotakis real angestrebten Schritte zur Zusammenarbeit von Personen und Kreisen in Griechenlands Politik und Medien blockiert würden, die gegen eine Einigung sind.“
Keine Illusionen, bitte
Naftemporiki warnt vor den Absichten Erdoğans:
„Es ist zweifellos positiv, dass die Kommunikationskanäle zwischen beiden Seiten offen bleiben. Aber ohne Illusionen. Wenn es soweit ist, wird Erdoğan den USA und Europa die Gastfreundschaft 'verkaufen', die er der griechischen Delegation in Ankara tatsächlich entgegengebracht hat, um zu fördern, was er seit jeher betreibt: die neo-osmanische, revisionistische Außenpolitik der Türkei. Aber auch, um im amerikanischen Kongress und in der EU jegliche Reaktionen auf die Rüstungs- und Verteidigungsforderungen Ankaras zu unterbinden. Insbesondere, wenn US-Präsident Trump sich mit den griechisch-türkischen Beziehungen befassen will. Und dieser Moment scheint angesichts seines Türkei-Besuchs Anfang Juli zum Nato-Gipfel nicht mehr lange auf sich warten zu lassen.“
Wendepunkt noch nicht in Sicht
Es braucht noch viel mehr, um die Spannungen zu beseitigen, findet HuffPost Greece:
„Die wesentliche Frage bleibt: Kann der Dialog über seinen Charakter als 'Druckventil' hinauswachsen und zu einer Lösung beitragen? ... Die Erfahrung lehrt uns, dass die griechisch-türkischen Beziehungen zyklisch verlaufen. Entspannungsphasen wechseln sich mit Spannungsphasen ab. Die Herausforderung besteht darin, diesen Zyklus in einen geradlinigen Prozess einer schrittweisen Deeskalation umzuwandeln. Dies wird weder mit einem einzigen Treffen noch mit einem Foto der guten Stimmung erreicht werden können. Entscheidend sind die Kontinuität der Kontakte, die Vertiefung vertrauensbildender Maßnahmen und die systematische Vermeidung von Handlungen, die das Klima vergiften.“
Nur starke Partner können profitieren
Es liegt im Interesse Griechenlands, mit der Türkei zu verhandeln, betont das Webportal Liberal und schreibt:
„Wir sollten uns daran erinnern, dass Deutschland und Frankreich einst große Feinde waren und heute zwei wichtige Verbündete sind, die Europa gemeinsam führen. Griechenland und die Türkei können derzeit nichts Vergleichbares versprechen. Aber beide Länder können von einer besseren Beziehung untereinander nur profitieren. Griechenland kann mit einer verantwortungsbewussten politischen Führung seine vitalen Interessen wahren. Wenn dies geschieht, fällt alles andere leichter. Denn ansonsten wird der Schwache zur leichten Beute für die Raubtiere. Nun, unter Kyriakos Mitsotakis, ist Griechenland aber nicht schwach.“
Mitsotakis zeigt klare Kante
Auch Eleftheros Typos lobt den griechischen Ministerpräsidenten:
„Nie zuvor hat ein griechischer Premierminister so klar und deutlich bei einem Besuch in der Türkei die Aufhebung des Casus belli gefordert [Ankara betrachtet seit 1995 eine mögliche Ausweitung griechischer Hoheitsgewässer als Kriegsgrund]. Weder seine Vorgänger, die ihn kritisieren, noch sonst jemand hat jemals einen solchen Schritt unternommen, und das zeigt, wie wichtig es ist, dass Griechenland weiterhin mit der Türkei diskutiert, ohne auch nur die geringsten Zugeständnisse zu machen und stets seine berechtigten Forderungen zu stellen. Doch hat die Isolation, die manche predigen, niemandem etwas Gutes gebracht.“