Warum kehren die Masern zurück?

Mehrere europäische Länder, die die Masern laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) besiegt hatten, haben ihren Status "frei von Masern" nach großen Ausbrüchen im vergangenen Jahr wieder verloren, darunter Spanien, Großbritannien und Österreich. Laut WHO und Unicef ist eine Impfquote von 95 Prozent notwendig, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. Kommentatoren in mehreren Ländern nehmen daher Impfpraxis und Impfskepsis in den Blick.

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El Periódico de Catalunya (ES) /

Keine harmlose Erkrankung

El Periódico de Catalunya appelliert an die Leser:

„Das Wiederauftreten der Masern zeigt, dass einer der wichtigsten Konsense der öffentlichen Gesundheit der letzten Jahrzehnte – die Impfung – ins Wanken geraten ist. … Masern sind keine harmlose Erkrankung. Es handelt sich um ein hochansteckendes Virus, das schwere Komplikationen und sogar den Tod verursachen kann. Es gibt keine spezifische Behandlung. … Impfungen sind nicht verpflichtend. Sie sind aber nicht nur eine individuelle Entscheidung, sondern ein Akt gesellschaftlicher Verantwortung. Sie schützen die Geimpften und die, die wegen ihres Alters oder gesundheitlicher Probleme nicht geimpft werden können. ... In Zeiten der Unruhe und Verwirrung sollten wir uns daran erinnern, dass die Beweislage eindeutig ist: Immunisierung ist Vorsorge.“

Irish Examiner (IE) /

Auch in Irland kein Grund zur Entwarnung

Impfskepsis gefährdet auch in Irland die Herdenimmunität, so Irish Examiner:

„Daten aus Irland aus den letzten drei Monaten des Jahres 2025 zeigen, dass die MMR-Impfquote bei Kindern im Alter von 24 Monaten bei 87,6 Prozent lag und damit unter dem WHO-Zielwert von 95 Prozent, der nötig ist, um Ausbrüche zu verhindern. … Desinformation und Fake News werden inzwischen von Unicef und der WHO als Treiber von Impfskepsis genannt und damit als Grund dafür, dass Masern weiterhin auftreten. … Die Bedingungen, die in den vergangenen Jahren zur Rückkehr dieser tödlichen Krankheit geführt haben, bestehen fort und müssen angegangen werden. … Es handelt sich um vermeidbare Todesfälle und Erkrankungen. Wir sollten nicht damit warten, unsere Kinder impfen zu lassen, bis ein Ausbruch vor der eigenen Haustür steht.“

The Spectator (GB) /

Bildung und Wohlstand als Prävention

Großbritannien muss die geringe Impfquote zügig verbessern und gleichzeitig die Ursachen dafür in den Blick nehmen, mahnt The Spectator:

„Studien zeigen, dass die Impfquote dort niedriger ist, wo Armut herrscht, wo es an Bildung mangelt und wo die Arbeitslosigkeit hoch ist. NHS England stellte fest, dass sie unter schwarzen Menschen und Menschen aus Pakistan und Bangladesch am niedrigsten ist. Das sind Risikofaktoren, die jedoch veränderbar sind. ... Wenn es ambitioniert klingt zu fordern, der Staat solle die Impfbereitschaft erhöhen, indem er Wohlstand und Arbeitsplätze schafft, eine Kultur der Bildung fördert und gemeinsame Werte stärkt, die Vertrauen in die Wissenschaft ermöglichen, dann ist es wichtig zu vermerken: Genau diese Faktoren zählen und zwar nicht nur beim Thema Impfen.“