Was ist vom Schulterschluss Rubios mit Orbán zu halten?
Nach seinem Auftritt bei der Münchner Sicherheitskonferenz hat US-Außenminister Marco Rubio dem slowakischen Premier Robert Fico und dem ungarischen Regierungschef Viktor Orbán einen Besuch abgestattet. Orbán sprach von einem "goldenen Zeitalter" in den ungarisch-amerikanischen Beziehungen und Rubio sicherte ihm die Unterstützung der US-Regierung für die anstehende Wahl zu: "Ihr Erfolg ist unser Erfolg".
Ungarn passt perfekt ins US-Konzept
Die Süddeutsche Zeitung zählt gleich mehrere Gründe auf, warum Orbán für Trump von Interesse ist:
„Orbán steht dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nahe, und die USA versuchen, ihn stärker ins westliche Lager zu ziehen. Der andere Grund ist geschäftlich: Die USA würden Ungarn gern Gas verkaufen. Bislang ist Ungarn stark auf Energielieferungen aus Russland angewiesen, weswegen Trump im vergangenen Jahr sogar Sanktionen gegen Ungarn verhängte – bevor er diese, Orbán zuliebe, wieder strich. Insgesamt passt Ungarn also perfekt ins strategische US-Konzept: Trump hat in Orbán einen befreundeten Kulturkämpfer, der seinen Einfluss im Westen mehrt und künftig vielleicht für amerikanische Energie bezahlt. Ideologie, Macht und Geld: So hat es zu laufen in der Welt, die Trump sich vorstellt.“
Die helfende Hand aus Washington
Cotidianul analysiert:
„Noch aufschlussreicher als Rubios Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz war, was er danach getan hat. Der Chef der US-amerikanischen Diplomatie ist nach Bratislava und Budapest gereist, um die befreundeten Regierungen zu unterstützen. Bei der Parlamentswahl am 12. April steht der ungarische Premier Viktor Orbán vor der schwierigsten Herausforderung seit seiner Rückkehr an die Macht 2010. Seine Fidesz-Partei liegt in den unabhängigen Umfragen hinter der Tisza-Oppositionspartei. Doch Rubio hat ihm jetzt eine helfende Hand gereicht. Ungarn hatte schon voriges Jahr, nach einem Besuch von Viktor Orbán im Weißen Haus eine Ausnahmegenehmigung von den amerikanischen Sanktionen für Importe von russischem Öl und Gas erhalten.“
Budapest und Bratislava haben Gewicht
Die regierungsnahe Magyar Nemzet sieht besondere Verhältnisse:
„Auch für Washington ist es wichtig, dass es europäische Verbündete hat, mit denen es sich in einer sich ständig wandelnden Weltordnung leicht verständigen kann. ... Es ist kaum ein Zufall, dass Rubio nach seinem Besuch in München, wo er Botschaften an ganz Europa gerichtet hat, neben unserem Land auch die Slowakei besuchte, die ebenfalls eine souveränistische Position bezieht. ... Diese Woche findet in Washington die konstituierende Sitzung des Internationalen Friedensrats statt; Gastgeber ist Donald Trump, einer der Mitgründer ist Viktor Orbán. Und wenn Trump bald nach Budapest kommt, wird das von besonderer Bedeutung sein, da es zum ersten Mal auf einer Allianz aufbaut, die sich zu einer persönlichen politischen Freundschaft entwickelt hat.“