Kreml legt Messengerdienst Telegram lahm
In Russland hat die Telekommunikationsbehörde Roskomnadsor die Datenströme des Messengers Telegram gedrosselt und den Dienst weiter eingeschränkt. Damit ist die wichtigste Kommunikationsplattform im Land erheblich gestört. Russische Soldaten protestierten gegen die Drosselung, weil sie den Dienst auch zur Koordination an der Front verwenden. Was könnten die Hintergründe für diesen Schritt sein?
Angst vor der Wut der Soldaten
Welches Motiv der Kreml haben könnte, erklärt Spotmedia:
„Die einzige logische Antwort ist, dass er damit die Militärblogger zum Schweigen bringen will. Während des Konfliktes waren sie extrem nützlich, doch im Fall eines Waffenstillstandes würden die militärischen Propaganda-Accounts auf Telegram zur Gefahr für Putin werden, der die Wut seiner Generäle und der von der Front zurückgekehrten Veteranen fürchtet. Vor diesem Hintergrund werden russische Vertreter nun weiter mit der ukrainischen Seite verhandeln. … Trotz der komplizierten Lage nach fast vier Jahren Krieg gibt es jetzt eine kleine Chance auf einen Waffenstillstand. Der Friedensprozess selbst wird aber viel komplizierter und langwieriger werden.“
Armee zu kritischem Zeitpunkt geschwächt
Neatkarīgā wundert sich über das Vorgehen:
„Bemerkenswert ist, dass die Maßnahmen vor den bevorstehenden ukrainischen Friedensgesprächen am 17. und 18. Februar eingeleitet wurden, bei denen territoriale Fragen im Vordergrund stehen werden. Selbst eine teilweise Lähmung der militärischen Kommunikationsverbindungen verlangsamt den Vormarsch der Truppen, während die Lage an der Front de facto auf der Tagesordnung der Verhandlungen steht. Was hat den Kreml daran gehindert, die Blockade um einige Wochen zu verschieben? ... So oder so hat die Armee der Invasoren in der Ukraine zwei verlässliche Verbündete ganz oder teilweise verloren: Starlink und Telegram. Den ersten blockierte Elon Musk, mit dem zweiten sollen die Putinisten selbst fertig werden.“
Moskau erliegt Selbstbetrug
Der Kreml hat einfach übersehen, dass die Kommunikation an der Front auch stark über Telegram lief, schreibt Blogger Denys Kasanskyj in einem von gazeta.ua übernommenen Telegram-Post:
„Wenn man ein Haus baut und sich dabei nicht auf die Gesetze der Mathematik und Physik stützt, sondern auf Mythen, wird das Gebäude einstürzen. Wenn man eine Supermacht aufbaut, ohne sich auf reale Errungenschaften zu stützen, sondern auf Lügen und Mythen über die eigene Größe, wird sie zerfallen. Wenn die russische Führung behauptet, Kupjansk wäre eingenommen, in der Wirtschaft gäbe es Wachstum und Erfolge, Starlink würde an der Front nicht gebraucht und Telegram wäre unwichtig, dann ist all das nichts anderes als die Weigerung, die objektive Realität anzuerkennen. ... Allen, die so handeln, droht eine Niederlage.“