Meningitisausbruch in England: Grund zur Angst?
In der Grafschaft Kent im Süden Englands sind bei einem Meningitis-Ausbruch bereits zwei junge Erwachsene gestorben. Weitere Erkrankte sind im Krankenhaus in Behandlung. Insgesamt wurden nach Angaben der Gesundheitsbehörden bislang 15 Infektionsfälle bestätigt, viele Infizierte steckten sich demnach in einer Disco in Canterbury an. Hunderte Menschen werden nun vorsorglich mit Antibiotika behandelt.
Investition in die Gesundheit verpasst
Der unzureichende Impfschutz gegen Meningitis B unter Jugendlichen rächt sich nun, schreibt The Guardian:
„Die größte Sorge ist, dass ein großer Teil der Bevölkerung, einschließlich der Studierenden, keinen Impfschutz dagegen hat. ... Dies ist nur ein weiteres Beispiel dafür, warum wir in die öffentliche Gesundheit investieren müssen. Diese gesamte Sphäre befindet sich weltweit seit Covid und dem Beginn der zweiten Amtszeit von Trump im Niedergang, und dies ist eine eindringliche Erinnerung daran, dass öffentliche Gesundheit, wenn sie funktioniert, unsichtbar ist. Wir sehen die Ausbrüche nicht, die nicht stattgefunden haben. Es ist auch eine Erinnerung an die Wirksamkeit von Impfstoffen und daran, warum der Aufbau von Immunität in der Bevölkerung durch routinemäßige Impfprogramme so wichtig ist.“
Aufklärung statt Panikmache
Nun müssen vor allem Fakten auf den Tisch, fordert The Spectator:
„Wenn unsere Kinder das Jugendalter erreichen, rutscht Meningitis – vor der wir alle Angst hatten, als sie noch Babys waren – auf unserer Liste der Sorgen weit nach unten und steht dann deutlich hinter Drogen, Alkohol, Schwangerschaft, Vergewaltigung, Unfällen und Mord. Genau das – und die verheerende Geschwindigkeit, mit der die Infektion voranschreitet – macht sie so tödlich. ... Es muss ein Gleichgewicht zwischen Aufklärung und dem Schüren unnötiger Ängste gefunden werden, doch die Gesundheitserziehung hat unter den begrenzten Mitteln gelitten. ... Wenn dem Schrecken dieses tödlichen Ausbruchs überhaupt etwas Gutes abgewonnen werden kann, dann vielleicht, dass ein größeres Bewusstsein für diese Krankheit künftig Leben retten kann.“
Ganz anders als Covid
Auch wenn es sich um eine schreckliche Erkrankung handelt, ist der Meningitisausbruch in Canterbury kein Auftakt zu einer neuen Pandemie, beruhigt The Daily Telegraph:
„Meningitis B weist ein nahezu entgegengesetztes Profil zu Covid auf. Die Erkrankung tritt weitaus seltener auf und verbreitet sich viel langsamer, befällt jedoch Kinder und junge Menschen häufiger als ältere Menschen. ... Zudem ist es eine weitaus gefährlichere Krankheit mit einer Sterblichkeitsrate von einem von zehn Fällen. Weitere 25 Prozent der Überlebenden leiden unter lebensverändernden Komplikationen wie Hirnschäden, Erblindung oder der Amputation von Gliedmaßen. Der Ausbruch von Meningitis B in Kent, wenngleich ungewöhnlich virulent, ist klein und so gut eingedämmt, so dass wirklich kein Grund zur Panik besteht. “