Spanien: König gibt Missbrauch während Conquista zu
Beim Besuch einer Ausstellung in Madrid über die Rolle von Frauen im indigenen Mexiko hat König Felipe VI. erklärt, es habe während der Zeit der kolonialen Eroberungen durch Spanien "viel Missbrauch" gegeben. Diese Äußerung machte er im Gespräch mit dem mexikanischen Botschafter Quirino Ordaz. Kommentatoren fragen sich, wie sinnvoll dieser Vorstoß war und ob eine offizielle Entschuldigung folgen könnte.
Er wollte nur die Reaktionen ausloten
Schriftsteller Isaac Rosa fordert in eldiario.es eine offizielle Geste des Königs:
„Dies ist keine geschichtswissenschaftliche, sondern eine politische Debatte. Sie betrifft sowohl Spaniens Beziehungen zu Mexiko als auch Spaniens Innenpolitik. Spanien könnte öffentlich dieselbe versöhnliche Geste zeigen, die so viele Länder gegenüber ihren ehemaligen Kolonien gezeigt haben, ohne dass diese sich gedemütigt fühlten – im Gegenteil, es hat die Beziehungen verbessert. … Aber das sollte aufrichtig und formell geschehen, nicht so, als ob der König das Mikrofon nicht bemerkt hätte. … Im Jahr 2026 ist der [spanische], nationalkatholische Widerstand gegen jegliche Berührung der Vergangenheit absolut. Deshalb hat der König nur beiläufig darüber gesprochen, als wolle er die Reaktionen ausloten.“
Leid der Ureinwohner anerkennen
El País hält nun Fortschritte in den spanisch-mexikanischen Beziehungen für möglich:
„Die Worte von König Felipe VI. stellen einen wichtigen Schritt in einem historisch heiklen Dialog zwischen Spanien und Mexiko dar. … Präsidentin Claudia Sheinbaum begrüßte die Geste. Es gibt also Raum für Fortschritte. … Das ist allerdings erst ein Anfang. Die über Jahrhunderte gewachsenen, komplexen Beziehungen zwischen Spanien und Mexiko erfordern mehr als sporadische Erklärungen. … Eindeutige Entschuldigungen und die Anerkennung des Leids der indigenen Bevölkerung sowohl unter spanischer als auch unter mexikanischer Herrschaft sind wichtig.“
Die Kolonialisten brachten das Beste mit
Federico Jiménez Losantos, Kolumnist bei El Mundo, hält wenig von dem Eingeständnis des Königs:
„Es gab nicht 'viel Missbrauch' seitens Spaniens während der Eroberung Mexikos. Es beendete die Gräueltaten der Azteken, die jährlich Tausende von Menschenopfern benachbarter Stämme darbrachten. … Die Spanier brachten Kirchen, Krankenhäuser, Universitäten, Bibliotheken, Druckereien, Navigation, Architektur, Ingenieurwesen, Sprache, Religion nach Amerika – das Beste der europäischen Zivilisation. Und das Beste des heutigen Mexiko.“