Trump besucht Xi: Annäherung zwischen USA und China?

Wegen des Iran-Kriegs war der Besuch bereits einmal verschoben worden, doch nun reist US-Präsident Donald Trump am Mittwoch zu einem Staatsbesuch nach Peking. Bei seinen Gesprächen mit Staats- und Parteichef Xi Jinping dürfte es vorrangig um die Problemfelder Iran und Taiwan gehen, aber auch um Handelsfragen und KI. Die Medien bewerten, was die beiden Supermächte trennt und was sie verbindet.

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Libération (FR) /

Statt virtuellem Krieg braucht es Kooperation

Die Welt steht vor elementaren Problemen, die eine Zusammenarbeit der Großmächte notwendig machen, so Libération:

„Einerseits der Klimawandel und seine Folgen: Kriege um Wasser, zunehmende Migrationsströme und Pandemien. Andererseits die KI-Revolution. ... Beides ist potenziell katastrophal. Keine Macht kann sie allein bewältigen. ... Internationale Zusammenarbeit ist unerlässlich, um das Schlimmste zu verhindern. ... Doch Chinesen und Amerikaner führen ein technologisches Wettrüsten um die KI und den Weltraum – die ersten Gefechte eines virtuellen Krieges. ... Es ist schwer, sich eine Kooperation zwischen den unberechenbaren USA, die versuchen, eine schwindende Hegemonie zu bewahren, und einem China vorzustellen, das das 'Reich der Mitte' wiederherstellen will.“

Postimees (EE) /

Schleichende Verschiebung der Vormachtstellung

Während sich die USA außenpolitisch verzetteln, baut China seine Weltgeltung planmäßig auf, schreibt Postimees:

„China muss Amerika nicht direkt zerstören. Es reicht, wenn die USA ihre eigene Kraft zersplittern. Während Washington Tag für Tag auf Krisen reagiert, baut Peking geduldig die Infrastruktur des nächsten Jahrhunderts auf. Die Geschichte lehrt, dass Großmächte selten dann scheitern, wenn sie schwach sind, sondern dann, wenn sie nicht mehr zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem unterscheiden können. Die vielleicht wichtigste Frage der heutigen Welt könnte sein: Begreift Amerika noch, dass sein Hauptgegner nicht in Teheran sitzt, sondern in Peking?“

El País (ES) /

Die nächste Meerenge von schicksalhafter Bedeutung

Wirtschaftsexpertin Alicia García Herrero erklärt in El País die globale Dimension der Taiwanfrage:

„Die Taiwanstraße ist die Lebensader, durch die die wichtigste Ressource für die Künstliche Intelligenz fließt. ... Taiwan fertigt mehr als 90 Prozent der weltweit fortschrittlichsten Halbleiter – jene Chips, die KI-Rechenzentren, modernste Waffensysteme und die digitale Infrastruktur westlicher Demokratien antreiben. Eine Krise in der Straße von Taiwan hätte mit der Sperrung der Straße von Hormus vergleichbare Folgen – oder sogar noch gravierendere. ... Was Trump mit Xi Jinping aushandelt, wird nicht nur die Zukunft einer Insel mit 23 Millionen Einwohnern bestimmen, sondern auch das Machtgleichgewicht der kommenden Jahrzehnte.“

NRC (NL) /

Wehe, wenn Antidemokraten gemeinsame Sache machen

NRC hofft hingegen, dass der Gipfel keine Annäherung bringt:

„Je besser Trump und Xi sich verstehen, desto höher der Preis, den der Rest der Welt dafür zahlen muss. Und umgekehrt: Je weniger konkrete Vereinbarungen die beiden Machtblöcke treffen können, desto besser ist das für den Rest der Welt. Wenn die beiden Staatschefs der mächtigsten Länder die Grundprinzipien eines demokratischen Rechtsstaats nicht (mehr) anerkennen, ist es Aufgabe der übrigen Welt, genau daran festzuhalten. Zuverlässigkeit, Vorhersehbarkeit und Rechtssysteme, an die sich alle halten, haben die Welt in den vergangenen Jahrhunderten vorangebracht.“