Kremlchef schlägt Schröder als Vermittler vor

Russlands Präsident Wladimir Putin hat den mit ihm befreundeten Altkanzler Gerhard Schröder als möglichen Vermittler im Krieg zwischen Russland und der Ukraine ins Spiel gebracht. Für die Gesprächsaufnahme mit der europäischen Seite könne er sich gut den früheren SPD-Chef als Mittelsmann vorstellen, sagte Putin nach der Militärparade am Samstag in Moskau. Kommentatoren sind anderer Meinung.

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Süddeutsche Zeitung (DE) /

Scheinangebot soll Unruhe stiften

Die Süddeutsche Zeitung beleuchtet Putins Motive für seinen Vorschlag:

„Putin will Unruhe in Europa stiften, indem er Gesprächsbereitschaft simuliert. Das ist nichts Neues. Genau wie der Verweis darauf, dass sich 'diese Angelegenheit' – er meint den Krieg –'bald ihrem Ende zuneigt'. Diese Worte, dieser Vorschlag, sie sind das Gegenteil von ernsthafter, zielführender Diplomatie. Und diesmal besonders leicht durchschaubar. Klingt vielleicht sogar etwas Verzweiflung durch? Putin hat jedenfalls allen Grund für Scheinangebote. Die Ukraine steht militärisch so gut da wie seit Langem nicht.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung (DE) /

Alles andere als ein neutraler Makler

Warum Gerhard Schröder kein geeigneter Vermittler wäre, erklärt die Frankfurter Allgemeine Zeitung:

„Der frühere Bundeskanzler stand lange im Sold Russlands. Er wäre also weder zwischen Kiew und Moskau ein neutraler Makler noch zwischen Europa und Moskau. In der Ukraine wird ihm niemand Vertrauen schenken, auch in Europa sollte es keiner tun. Schröder ist Putins Mann; dass er sich nach dem Ausscheiden aus dem Amt für (großes) Geld aus Russland entschieden hat, disqualifiziert ihn heute als Diplomaten.“

La Repubblica (IT) /

Berechtigte Zweifel an der Aufrichtigkeit

Warum man bei der EU Putins bekundete Dialogbereitschaft nicht für voll nimmt, erklärt La Repubblica:

„[Putins] Botschaft hat in Brüssel viele Zweifel und Bedenken ausgelöst. ... Die institutionellen Spitzen der EU sind überzeugt, dass 'dies noch nicht der richtige Zeitpunkt ist, um mit Putin zu sprechen'. Es ist klar, dass in den Kanzleien des Alten Kontinents nur wenige auf die Aufrichtigkeit des russischen Staatschefs zählen. Vielmehr gibt es die weitverbreitete Interpretation, dass dieser Schritt in erster Linie darauf abzielt, in einer Zeit extremer Schwierigkeiten Zeit zu gewinnen, sowohl aus innenpolitischer Sicht als auch auf militärischem Gebiet in der Ukraine.“