Was bedeutet die Mandelson-Affäre für Starmer?
Neue Enthüllungen im Mandelson-Skandal setzen den britischen Premier Keir Starmer unter Druck. Den Posten als US-Botschafter hatte Peter Mandelson demnach erhalten, obwohl er die Sicherheitsprüfung nicht bestanden hatte. Vor dem Unterhaus entschuldigte sich Starmer für die Fehlbesetzung, erklärte aber, ihm hätten im Moment der Entscheidung nicht alle Informationen vorgelegen.
Schuld auf andere abgewälzt
Starmers Entschuldigung im Parlament hat The Daily Telegraph nicht überzeugt:
„Seine Selbstgerechtigkeit ist kolossal. So sehr, dass er allen anderen die Schuld dafür gibt, nicht das getan zu haben, was in seiner Verantwortung lag, bevor er Mandelson einen so wichtigen Posten übertrug – nur nicht sich selbst. ... Starmer hat dem Außenministerium und dessen ehemaligem Staatssekretär Sir Olly Robbins, der letzte Woche entlassen wurde, Vertuschung vorgeworfen. Der Premierminister behauptet großspurig, er habe die Schuld auf sich genommen, doch das hat er keineswegs getan. Er sagte einmal, er würde für die Fehler von ranghohen Staatsbeamten geradestehen, doch als sich die Gelegenheit dazu bot, opferte er diesen, um seine eigene Haut zu retten.“
Höchste Zeit, die Zügel in die Hand zu nehmen
The Independent sieht ein Warnsignal:
„Diese Krise wird vorübergehen, und der Premier wird höchstwahrscheinlich zumindest bis zu den Wahlen im Mai und darüber hinaus im Amt bleiben – doch seine Probleme und die Schwächen der Regierung bleiben bestehen. Es entsteht der Eindruck einer Regierung, die die Kontrolle über das Geschehen verloren hat, kein klares Ziel verfolgt und von einer Krise in die nächste stolpert. Starmer hat sich zu Recht großen Respekt für seine besonnene Außenpolitik und seinen Umgang mit dem Iran-Konflikt erworben. Das steht in krassem Gegensatz zur innenpolitischen Wahrnehmung. ... Er muss nun sichtbar die Zügel in die Hand nehmen. Niemand will einen Mitläufer als Regierungschef.“
Die Wähler werden das bestrafen
Die Quittung wird Labour in zwei Wochen erhalten, meint De Standaard:
„Immer wieder tauchen neue Enthüllungen auf, die den Premier weiter in die Enge treiben. Nur scheint er selbst das nicht so zu sehen. Ständig schiebt er die Schuld für das Debakel anderen in die Schuhe. ... Während der Debatte am Montag zeigten sich einige Labour-Abgeordnete nicht gerade begeistert von der Verteidigung ihres Premierministers. Sie wissen, dass die Partei in knapp zwei Wochen die Rechnung präsentiert bekommt. Wales und Schottland wählen neue Parlamente und in weiten Teilen Englands stehen Kommunalwahlen an. Schon jetzt steht fest, dass Labour historische Niederlagen bevorstehen.“