Mandelson-Skandal: Muss Starmer gehen?
Der britische Premier Keir Starmer gerät auch innerhalb seiner Partei immer mehr unter Druck wegen der Affäre um Peter Mandelson. Medien zitierten Labour-Abgeordnete mit der Aussage, dass die Tage des Premiers gezählt seien. Mandelson soll Anfang der 2000er-Jahre vertrauliche Regierungsinformationen an den damals bereits verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein weitergeleitet haben. Noch 2024 ernannte Starmer Mandelson zum Botschafter in den USA, obwohl er von dessen Bekanntschaft mit Epstein wusste.
Einen 'Prince of Darkness' zum Botschafter gemacht
Dieser Fehler hätte Starmer nicht passieren dürfen, urteilt Marco Varvello, London-Korrespondent von La Stampa:
„Die schlammige und giftige Welle, die der Pädophile Epstein ausgelöst hat, erreicht auch die britische Seite des Ozeans, vergiftet das Klima und droht Premier Starmer selbst mitzureißen. Der US-Finanzier hat mit seinem Angebot schmutziger Gefälligkeiten auch hier ein Netzwerk von Beziehungen auf höchster Ebene aufgebaut, in der Königsfamilie, in der Wirtschaft und eben auch in der Politik. ... Wer auch immer Mandelson einst den Spitznamen 'Prince of Darkness' der britischen Politik verpasst haben mag, muss ihn gut gekannt haben – jedenfalls viel besser als Starmer selbst, der ihn vor nur einem Jahr zum britischen Botschafter in Washington ernannte, obwohl er von den früheren Beziehungen zu Epstein wusste.“
Leichtgläubigkeit rächt sich
Auch The Irish Times sieht schwere Verfehlungen Starmers:
„Die Wut über die Leichtgläubigkeit des Premierministers hat sich von der Opposition bis in die Labour-Hinterbänke des Parlaments ausgebreitet. Dort fordern viele – teils hinter vorgehaltener Hand, teils offen – seinen Rücktritt. ... Starmer brüstet sich damit, gewählt worden zu sein, um die britische Politik aufzuräumen. Doch auch er ließ sich – wie zuvor schon die Regierungschefs Tony Blair und Gordon Brown – zu dem Glauben verleiten, Mandelson verfüge über unheimliche machiavellistische Fähigkeiten. Ein Mythos, den Mandelson selbst eifrig gepflegt hat. Nun zahlt Starmer den Preis für seine Leichtgläubigkeit und sein mangelndes Urteilsvermögen.“
Labour fehlt die Alternative
Der Premier sitzt vorerst noch fest im Sattel, ist indes The Independent überzeugt:
„Zweifellos erstellen alle willigen Nachfolge-Kandidaten gerade Listen potenzieller Unterstützer unter den Labour-Abgeordneten. Doch solange sie nicht ernsthaft um formelle, schriftliche Nominierungen bitten, handelt es sich um einen Scheinkrieg. Sie zögern, den nächsten Schritt zu gehen, weil ihre Erfolgsaussichten das Risiko noch nicht rechtfertigen. ... Starmer steckte schon vor der Veröffentlichung der Epstein-Akten in großen Schwierigkeiten, und seine Lage ist nun noch schlimmer. Doch er wird vorerst politisch überleben, da es für die Labour-Abgeordneten keine scheinbar sichere Alternative gibt.“
Wie bei Game of Thrones
In einem von Echo übernommenen Telegram-Post zieht Politologe Alexei Makarkin Parallelen zur bekannten Fantasy-Serie:
„Peter Mandelsons Karriere war geprägt von einer umwerfenden politischen Langlebigkeit; sie kannte Höhen und Tiefen. Der jetzige Absturz, der zum Austritt aus der Labour-Partei und dem Ausscheiden aus dem Oberhaus führte, ist wohl der endgültige. [Der Schauspieler] Aidan Gillen, der den Petyr 'Littlefinger' Baelish in der Serie Game of Thrones verkörperte, nahm Mandelson zum Prototyp für seine Figur. In der Reihe von Skandalen fehlte wohl nur noch eine Verbindung zu Epstein – jetzt ist sie offiziell dokumentiert.“
Autorität des Premiers ist dahin
Die Mandelson-Affäre untergräbt Starmers Glaubwürdigkeit endgültig, so The Daily Telegraph:
„Starmer hat darauf gesetzt, dass die Fähigkeiten Mandelsons als Höfling es ihm ermöglichen würden, sich mit der Trump-Regierung in Washington gut zu stellen, was auch tatsächlich der Fall war. Mit anderen Worten: Er hat sich offenbar herzlich wenig um die Opfer von Epsteins Verbrechen geschert, solange seine Personalentscheidung politische Vorteile versprach. ... Der Premierminister mag versprechen, mit der Polizei zu kooperieren, über 'Verrat' schimpfen und sich darüber aufregen, dass er von Lord Mandelson belogen wurde. Aber das kommt alles zu spät.“
Ein Fehlgriff
Wäre Starmer seinem pragmatischem Prinzip treu geblieben, hätte er Mandelson nicht ernannt und sich Ärger erspart, glaubt The Economist:
„Wenn Starmer überhaupt eine Bestimmung hatte, dann war es, genau solche Dinge zu verhindern. Er war ein Politiker der Abläufe, nicht der Überzeugungen. Nach dem unberechenbaren Boris Johnson, dessen drei Jahre an der Macht von exekutivem Chaos geprägt waren, besaß das durchaus seinen Reiz. ... In einer Partei voller Berufspolitiker und durchsetzt von – zeitweise – geradezu psychopathischem Fraktionsdenken sollte Starmer ein erfrischend fairer Pragmatiker sein. Doch Lord Mandelson wurde vor allem wegen seiner Kontakte ernannt und wegen des Parteiflügels, den er repräsentierte.“