Kroatien: Was steckt hinter den Bombendrohungen?
Kroatien ist seit rund einer Woche mit einer Flut von Bombendrohungen konfrontiert. Mehr als 700 Mal mussten bereits Krankenhäuser, Einkaufszentren, Redaktionen, Flughäfen, Schulen und Kindergärten evakuiert und durchsucht werden – wobei nie ein realer Sprengsatz gefunden wurde. Die Landespresse sieht darin einen systematischen Angriff auf Staat und Gesellschaft.
Hybrider Krieg im Gewand von Schülerstreichen
Das Land ist den Attacken hilflos ausgeliefert, bedauert Telegram:
„Für die Schulen ist dies eine besonders empfindliche Zeit, denn es geht um die letzten großen Prüfungen. ... Unterrichtsausfälle wegen Bombendrohungen werden immer problematischer. ... Außerdem handelt es sich um einen ernsten Verlust von Arbeitsstunden und, im Falle von Einkaufszentren, von Einnahmen. Sicherlich kostet auch die Extraarbeit der Polizei und der Sprengstoffentschärfer. Die schiere Anzahl an Bombendrohungen hinterlässt nicht den Eindruck, dass sie nicht bloß von Jugendlichen kommen, die einer Prüfung entgehen wollen. Wenn es sich also um hybriden Krieg handelt, dann verliert ihn Kroatien gerade. Und zwar haushoch.“
Systemlähmung ohne physische Zerstörung
Kroatien entsteht gerade spürbarer schwerer Schaden, analysiert Večernji list:
„Es wird immer wahrscheinlicher, dass es sich um einen organisierten kybernetischen Angriff handelt und nicht um Taten eines psychisch kranken Einzelgängers. ... Dabei werden digitale Werkzeuge mit psychologischer Wirkung und sozialen Folgen kombiniert. Obwohl sie keinen technischen Schaden an Systemen anrichten, haben diese Drohungen sehr reale Folgen: Evakuationen, Unterrichtsunterbrechungen und die Verbreitung von Unsicherheit, was ähnliche destabilisierende Folgen für die Gesellschaft haben kann wie 'normale' Cyberangriffe. Hier wird das System nicht technisch zerstört, doch durch Überlastung operativ paralysiert.“