Krieg und Krisen: Wie steht es um den Tourismus?
Der Iran-Krieg lässt die Golfstaaten als beliebtes Reiseziel wegfallen, Social-Media-Kontrollen fürs Visum in die USA stoßen unangenehm auf und das Geld sitzt bei vielen auch nicht mehr so locker. Europäische Kommentatoren debattieren, was die weltpolitische und wirtschaftliche Lage für Touristen und ihr Bedürfnis nach Erholung durch Urlaub bedeutet.
Vielleicht ist es besser, zu Hause zu bleiben
In sich schnell wandelnden Zeiten ist ein Verzicht auf Reisen nicht das Schlechteste, meint Latvijas Avīze:
„Bis vor Kurzem galten die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) als sicheres Land. ... Leider leben wir in einer Welt, in der sich die Sicherheitslage innerhalb von Tagen, ja sogar Stunden, ändern kann. Das US-Außenministerium hat das Land nun auf seiner Karte orange markiert und rät Reisenden dringend, die Notwendigkeit einer Reise in die VAE zu überdenken. Auch das lettische Außenministerium rät dringend von Reisen in die VAE ab. Seit Beginn des Krieges zwischen den USA und dem Iran, in dessen Verlauf auch in den VAE Raketen und Drohnen explodieren, hat eine Auswanderungswelle von Ausländern eingesetzt. ... Was können wir daraus lernen? Die Lehre daraus ist wohl: Vielleicht ist es besser, zu Hause zu bleiben.“
Die Verunsicherung wächst
El Periódico de Catalunya analysiert:
„Kriege sind nicht länger nur zu verurteilende Gräueltaten. Sie beeinflussen auch globalisierte Volkswirtschaften, gefährden Arbeitsplätze weltweit und stellen sogar Urlaubspläne, Hotel- und Restaurantmanagement sowie die Rechte von Reisenden infrage. ... Je näher der Sommer rückt, desto größer wird die Verunsicherung. ... Billigfluggesellschaften haben begonnen, Strecken zu reduzieren und Flüge zu streichen, während andere Preiserhöhungen erwägen. ... Einige Fluglinien haben sogar angesichts des zu erwartenden Chaos an Flughäfen eine Art Amnestie für Entschädigungszahlungen wegen Annullierungen und Verspätungen gefordert. ... Die Geopolitik entscheidet darüber, ob wir reisen, arbeiten oder ein annähernd normales Leben leben können.“
Den Deutschen ist der Urlaub heilig
Politis schreibt über die Lage der Touristen aus Deutschland:
„Der Urlaub der Deutschen ist so etwas wie ein Totem. Heilig, unantastbar, sozialer Besitzstand, fest verankertes Arbeitsrecht. … Doch die gestiegenen Kosten sorgen für Unmut. Und dies spiegelt sich auch politisch wider: Die Unzufriedenheit der Bürger wächst, je mehr die mit dem deutschen Wohlstand verbundenen Errungenschaften der Nachkriegszeit ins Wanken geraten und zu Überraschungen in letzter Minute führen. Die hohen politischen Kosten und der Verfall einer Regierung beginnen meist mit der Unfähigkeit, die Errungenschaften der Bürger zu sichern: in diesem Fall auch der Urlaub.“