Ende der Amtszeit von US-Notenbankchef Powell
Nach zwei Amtszeiten tritt US-Notenbankchef Jerome Powell am Freitag ab. Powell hinterlässt an der Spitze der Federal Reserve (Fed) eine gemischte Bilanz. Kritiker werfen ihm vor, Fehler gemacht zu haben, vor allem im Kampf gegen die Inflation. Doch als US-Präsident Donald Trump die Unabhängigkeit der Fed bedrohte, leistete er standhaft Widerstand. Nachfolger Powells wird Trumps Wunschkandidat Kevin Warsh sein.
Einer, der Trump die Stirn geboten hat
Der scheidende Fed-Chef Powell ist ein gutes Vorbild für seinen Nachfolger, würdigt L’Echo:
„Von Jerome Powell wird vor allem eins in Erinnerung bleiben: Dass er derjenige war, der Trump die Stirn geboten hat, um die Unabhängigkeit und damit die Glaubwürdigkeit der Fed zu wahren. ... Seine Entscheidung, unter diesen Umständen auf Konfrontation zu gehen, zeugt von seiner Hartnäckigkeit und seinem ausgeprägten Verantwortungsbewusstsein. Die Unabhängigkeit der Fed ist eine Variable, die nicht unterschätzt werden darf. Denn von der Glaubwürdigkeit der US-Notenbank hängt die Stabilität der US-Märkte ab – und angesichts ihres Gewichts auch das globale Finanzsystem insgesamt. Die mutige Tat des 'Soldaten Powell' verdient insofern Anerkennung. Hoffen wir, dass sich sein Nachfolger davon inspirieren lässt.“
Heldenerzählung mit Schattenseiten
Luft nach oben sieht die Neue Zürcher Zeitung bei der Führung der Notenbank:
„In die Geschichtsbücher eingehen wird der derzeit mächtigste Geldpolitiker vor allem, weil er alle Versuche von US-Präsident Donald Trump abwehrte, das Fed zu tieferen Leitzinsen zu drängen. Diese Heldenerzählung ist zwar nicht falsch, greift aber zu kurz. Unter Powell hat das Fed nämlich auch schwere Fehler begangen, welche die Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit der Institution beschädigt haben. Will sein Nachfolger Kevin Warsh die Autonomie des Fed stärken, muss er mehr tun, als einfach Nein zu allem zu sagen, was Trump von ihm verlangt.“