Schweden: Nahverkehr zum halben Preis
In Schweden sollen in der zweiten Jahreshälfte 2026 die Preise für Monatskarten im öffentlichen Nahverkehr halbiert werden. Diese Maßnahme der rechtsgerichteten Regierung wird voraussichtlich 6,5 Milliarden Kronen (etwa 605 Millionen Euro) kosten. Energie- und Wirtschaftsministerin Ebba Busch begründete sie mit "der schlimmsten Energiekrise, die die Welt je gesehen hat".
Besser pünktliche als billige Busse
Es wäre besser gewesen, das Geld in den öffentlichen Nahverkehr zu investieren, meint Expressen:
„Nicht, dass es schlecht wäre, wenn die Menschen mehr mit Bus und Bahn fahren würden, anstatt das Auto zu nehmen. Das ist vielmehr wünschenswert. Damit dies geschieht, ist vor allem eines erforderlich: dass der Bus pünktlich kommt. Pünktlichkeit und ein gutes Fahrplanangebot sind wichtiger als der Preis. Regierungspreise im Busverkehr werden die Fahrgastzahlen nicht steigern. Es besteht jedoch die Gefahr, dass dadurch Versprechungen zunehmen, die ausschließlich darauf abzielen, vor der Wahl Stimmen zu gewinnen.“
Späte Einsicht
Aftonbladet freut sich über einen energiepolitischen Kurswechsel:
„Nach vier Jahren an der Macht scheint die Rechte endlich begriffen zu haben, dass günstiger öffentlicher Nahverkehr gute Politik ist. Er hilft Menschen mit geringem Einkommen. Er senkt die Emissionen. Und er macht Schweden weniger abhängig vom Öl. ... Seit 2022 hat die Regierung von Ulf Kristersson genau das Gegenteil getan. Sie hat die Steuern auf Benzin und Diesel gesenkt. Sie hat die Elektroauto-Prämie abgeschafft. Sie hat das Pendeln mit dem Auto billiger gemacht, auch für Menschen, die ohnehin schon finanziell gut gestellt sind. Anstatt den öffentlichen Nahverkehr auszubauen, hat die Regierung Schweden stärker von fossilen Brennstoffen abhängig gemacht. Jetzt versucht sie, den Kurs zu ändern.“
Keine treffsichere Unterstützung für Bedürftige
Sydsvenskan hält unter sozialen Gesichtspunkten wenig von der Maßnahme:
„Es ist natürlich gut, den öffentlichen Nahverkehr zu fördern. Aber die Preise für Monatskarten unter Verweis auf die Hormus-Krise zu halbieren, ist einfach nur dumm. Diese Fahrtkosten sind von den Unruhen im Nahen Osten nicht betroffen, und die Unterstützung kommt größtenteils Menschen zugute, die auch ohne sie gut zurechtkommen. Falls die Regierung hier überhaupt Nachforschungen angestellt hat, dann geht es dabei um etwas anderes als darum, wie bedürftige Haushalte in schwierigen Zeiten unterstützt werden.“