Belfast: Krawalle nach Messerangriff
In der nordirischen Hauptstadt Belfast ist es am Dienstag zu heftigen Ausschreitungen gekommen, nachdem ein Video über einen Messerangriff verbreitet worden war. Hunderte Menschen protestierten gegen Einwanderung und zündeten Fahrzeuge sowie Gebäude an. Bei der Attacke am Vortag war ein Mann schwer verletzt worden. Nach Angaben der Polizei ist der mutmaßliche Täter ein 30-jähriger Mann aus dem Sudan.
Farage gießt Öl ins Feuer
Die Ausländerfeindlichkeit wird immer mehr angeheizt, klagt La Stampa:
„Es ist ein Szenario, das sich immer häufiger wiederholt: Ein blutiger Vorfall mit migrantischen Hintergründen wird zum politischen Auslöser. Das war bereits der Fall, nachdem in Southampton ein junger Engländer von einem Gleichaltrigen indischer Herkunft erstochen worden war. ... Der Vorsitzende der Partei Reform UK, Nigel Farage, beschuldigte die Polizei, mit zweierlei Maß zu messen und paradoxerweise weiße Engländer zu diskriminieren, um den Verdacht des Rassismus zu vermeiden. Ein unbegründeter Vorwurf: Selbst im toleranten England geschieht es Angehörigen ethnischer Minderheiten viermal häufiger als Weißen, dass sie von der Polizei angehalten werden, und mehr als doppelt so häufig, verhaftet zu werden.“
Den Politikern fehlen die richtigen Worte
The Daily Telegraph verweist auf Gründe, weshalb die Proteste in Nordirland auf fruchtbaren Boden fallen:
„Erstens wird Nordirland noch immer stark von konfessionell geprägter Politik bestimmt. Zweitens erlebt die Region inzwischen Migration und demografische Veränderungen, auf die Nordirlands Institutionen nie ausgelegt waren. Und drittens fehlt es nahezu vollständig an einer ehrlichen öffentlichen Sprache, um über das Zusammenspiel dieser beiden Phänomene zu sprechen. … Die politische Sprache Nordirlands ist für die Welt, in der das Land heute lebt, völlig veraltet. Seine Politiker sind geübt darin, konfessionellen Hass zu verurteilen, fühlen sich aber sichtlich unwohl, wenn es um Themen wie Migration, Integration und Kriminalität geht.“
Klartext statt Andeutungen nötig
Die Dinge sollten auf den Punkt gebracht werden, meint El Mundo:
„Eine Art Lethargie lähmt die Kommentatoren, wenn ein Immigrant im Stadtzentrum in eine Menschenmenge rast. Oder wenn eine Gruppe Immigranten eine junge Frau vergewaltigt. … Die Atmosphäre ist voll von unausgesprochenen Annahmen. Die Toten, die Verwundeten, die Vergewaltigten häufen sich, weil es keine Diagnose, keine Beobachtungsstelle, keinen Mut gibt. Man geht davon aus, dass sich ein vermeintlich nicht existierendes Problem von selbst lösen sollte. … Das Bedürfnis zu schweigen, wenn sich im Herzen der Städte blutige Schauspiele ereignen, wird fast schon krankhaft, besonders wenn die Herkunft schon andere Male eine Rolle gespielt hat.“