100 Tage Iran-Krieg: Gordischer Knoten in Nahost?

Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran hat am Sonntag die Dauer von 100 Tagen erreicht. Während am Persischen Golf der anfangs heftige militärische Schlagabtausch abgeflaut ist und die Blockade des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus das zentrale Problem darstellt, ist der Libanon mit dem Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah zunehmend in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt.

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Der Standard (AT) /

Blutiges Pokern um den Libanon

Der Standard analysiert:

„Trump scheint bereit zu sein, in vielen Punkten nachzugeben. Aber in der Frage des Überlebens der Hisbollah – eine zentrale iranische Forderung – kann er nicht liefern, wenn Netanjahu nicht mitspielt. ... Wie lange Netanjahu dem Druck aus dem Weißen Haus standhalten kann, ist ungewiss. Schließlich ist die Unterstützung der USA der wichtigste Garant für Israels Sicherheit. Und der Iran hat mit seinem Raketenangriff auf Israel den Einsatz in diesem blutigen Pokerspiel noch erhöht: Ohne Waffenruhe im Libanon, so die Botschaft, wird der Irankrieg nicht enden und sich Trumps selbst verschuldetes Dilemma nicht auflösen. Zwischen Israel und dem Iran dürfte der Schlagabtausch vorerst beendet sein. Der Libanon aber bleibt Spielball zwischen Teheran, Jerusalem und Washington.“

La Stampa (IT) /

Mächtig Ärger mit dem engsten Verbündeten

Trumps Einfluss auf Netanjahu schwindet, beobachtet La Stampa:

„Der Präsident, der Israel bei der Offensive gegen den Iran unterstützt hatte, befindet sich nun in einer umgekehrten Position: Er ist nicht mehr nur politischer und militärischer Förderer der Eskalation, sondern ein verzweifelter Schlichter in einem Konflikt, der die Züge eines endlosen Krieges annimmt. ... Der eine verspricht ein endgültiges Abkommen mit Teheran; der andere beruft sich auf Selbstverteidigung. … 'The Donald' kann anrufen, sich ärgern, warnen. Doch da Washington Israel nicht wirklich Einhalt geboten hat, als dessen militärische Entscheidungen umfassendere Abkommen erschwerten, weiß Netanjahu, dass er die Grenze ausreizen kann.“

HuffPost Greece (GR) /

Falsche Hoffnung auf Regimesturz

Die Widerstandskraft Teherans wurde von seinen Gegnern unterschätzt, betont HuffPost Greece:

„Die iranische Gesellschaft mag unterdrückt und – offensichtlich – mit ihrem Regime völlig uneins sein. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie externen militärischen Druck als Instrument der 'Befreiung' oder 'Rationalisierung' ohne Weiteres akzeptieren würde. Im Gegenteil: Jeder Angriff von außen gibt dem Machtsystem die Möglichkeit, sein Überleben mit dem des Volkes gleichzusetzen. Dies ist ein Punkt, den der Westen nur schwer nachvollziehen kann. … Soziale Erschöpfung führt nicht automatisch zu einem pro-amerikanischen politischen Wandel. Und die militärische Niederlage eines Staates bedeutet nicht zwangsläufig auch die politische Niederlage seines Regimes.“

Irish Independent (IE) /

Bittere Lektionen für Trump

Trump hätte diesen Krieg niemals anfangen sollen, so Irish Independent:

„Er verschließt seine Augen vor der düsteren Realität, dass es keinen einfachen Ausweg aus einem Konflikt gibt, in den er gar nicht erst hätte eintreten sollen. Alle Optionen sind schlecht, und Trump hat niemandem außer sich selbst die Schuld dafür zu geben. ... Trump lernt dieselben bitteren Lektionen, die frühere Präsidenten in Vietnam, im Irak und in Afghanistan lernen mussten und die Wladimir Putin derzeit in der Ukraine lernt. Krieg ist kein Zielerfassungsspiel, und die Seite mit den meisten Bomben gewinnt nicht unbedingt. Willenskraft zählt mehr als Waffen, und die Fähigkeit, Schläge einzustecken, ist letztlich wichtiger als die Fähigkeit, sie auszuteilen.“