Was steckt hinter Starmers Social-Media-Verbot?
Großbritannien will Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren die Nutzung von Social-Media-Angeboten verbieten und folgt damit dem Beispiel Australiens. Premier Starmer kündigte an, dass die Regelung Anfang des kommenden Jahres in Kraft treten solle. Man werde sich nicht dem Widerstand der Tech-Konzerne beugen. Doch ob Starmer das umsetzen kann und wie wirksam der Vorstoß ist, daran haben Kommentatoren Zweifel.
Die Zeit wird knapp
Ob Starmer wohl die Zeit noch reicht, fragt Corriere della Sera:
„Starmer könnte innerhalb weniger Wochen abgesetzt werden, und es bleibt abzuwarten, ob sein Nachfolger den Kampf gegen soziale Medien als Priorität einstufen wird. Der jetzige Premier hat die Initiative vermutlich auch deshalb überstürzt gestartet, um sich ein bedeutendes politisches Vermächtnis zu sichern, doch die politischen Turbulenzen in London könnten letztlich alles zunichtemachen.“
Es geht ums politische Erbe
The Times begrüßt den Schritt und verweist auf mögliche Gründe für Starmers Initiative:
„Die Argumente für Zugangsbeschränkungen junger Menschen zu sozialen Medien sind kaum von der Hand zu weisen. Keir Starmer hat recht, wenn er sagt, dass der Status quo Kindern schadet und etwas unternommen werden muss, um ihr Wohlergehen zu schützen – so schwierig die Umsetzung auch sein mag. ... Gleichzeitig hat diese Ankündigung etwas von Vermächtnispolitik. ... Getroffen von der Kritik, er habe sich als unentschlossener und wirkungsloser Premier erwiesen, ist er bestrebt, den Eindruck entschlossenen und weitreichenden Handelns zu vermitteln. Ein Verbot sozialer Medien würde seine Amtszeit überdauern.“
Halbherziger Vorstoß
Das Verbot ist nicht mutig genug, findet der Aktivist für Online-Sicherheit Ian Russell in The Guardian:
„Der Premier hätte einen entschlossenen Plan vorlegen können, der personalisierte Algorithmen für Jugendliche pauschal verbietet und die Tech-Konzerne dazu zwingt, ihre Geschäftsmodelle zu ändern und Sicherheitsprobleme direkt an der Quelle anzugehen. Stattdessen bleiben junge Menschen den Schäden durch Algorithmen weiterhin schutzlos ausgeliefert. ... Wie sich bereits in Australien gezeigt hat, können Kinder und Jugendliche solche Verbote umgehen. … Das setzt sie nicht nur größeren Risiken aus, sondern macht es auch weniger wahrscheinlich, dass sie Hilfe suchen, wenn soziale Medien ihrem Wohlbefinden schaden, aus Angst, Ärger zu bekommen.“