WM: Argentinier mit Transparent zu Falklandinseln

Argentinische Spieler haben nach ihrem 2:1-Sieg gegen England im Halbfinale der Fußball-WM ein Banner mit der spanischen Aufschrift "Die Malvinas sind argentinisch" hochgehalten — ein klarer Verstoß gegen das Verbot politischer Aussagen bei der WM. Prompt ist der Territorialstreit um die zu Großbritannien gehörende Inselgruppe vor der patagonischen Küste im Südatlantik wieder im Blickfeld der Medien.

Alle Zitate öffnen/schließen
The Guardian (GB) /

Das Archipel kann nicht ewig britisch bleiben

Es wäre erfreulich, wenn der Vorfall endlich Bewegung in die Angelegenheit bringen würde, findet hingegen The Guardian:

„Die Realität ist, dass derartige Kolonien früher oder später unweigerlich Teil ihrer jeweiligen Kontinente werden. Sie können nicht auf Dauer von einer europäischen Schutzmacht verteidigt werden, und Argentiniens Gebietsansprüche werden nicht verschwinden. ... Wie es aussieht, müssen die Falklandinseln vorerst eine versteinerte, isolierte Militärfestung am anderen Ende der Welt bleiben, fernab ihrer großzügigen Schutzmacht. Doch früher oder später wird eine britische Regierung den Mut aufbringen, die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Bis dahin schieben das Außen- und das Verteidigungsministerium das Problem lediglich vor sich her.“

Diena (LV) /

Gut möglich, dass es nicht bei Parolen bleibt

Diena befürchtet, dass derartige "schlafende" Territorialkonflikte eines Tages über die Sportstadien hinausschwappen können:

„Meinungsumfragen zeigen übereinstimmend, dass eine überwältigende Mehrheit der Argentinier keinen Zweifel daran hat, dass die Inseln zu Argentinien gehören. ... Da sich Streitigkeiten um einzelne Überseegebiete derzeit auf konfrontative Äußerungen oder hitzige Debatten bei Sportwettkämpfen beschränken, werden sie nicht als wirkliche Konfliktursachen angesehen. Je instabiler die globale geopolitische Lage jedoch wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass früher oder später auch der Wunsch aufkommt, eine dieser Streitigkeiten mit militärischen Mitteln zu lösen.“

The Times (GB) /

Argentinien verspielt Sympathien

Ganz Großbritannien dürfte im Finale nun mit Spanien fiebern, meint The Times:

„Die Falklandinseln sind ein britisches Überseegebiet, und bei einem dortigen Referendum im Jahr 2013 sprachen sich 99,8 Prozent der Wähler dafür aus, dass dies auch so bleibt. Als Argentinien 1982 das letzte Mal versuchte, sich über den Willen der Inselbewohner hinwegzusetzen, endete dies weder für die Streitkräfte noch für die damalige Regierung des Landes gut. Und der britische Sieg fiel deutlich klarer aus als ein knappes 2:1. Offensichtlich schmerzt das immer noch. Angesichts des Verhaltens vieler argentinischer Spieler und Fans wäre es bizarr und masochistisch, wenn die englischen Fans einfach mit den Schultern zucken und beiden Finalisten gleichermaßen die Daumen drücken. ... Buena suerte, Spanien.“