Ungarn: Zeitung Népszabadság erscheint wieder

Die vor 10 Jahren eingestellte renommierte Tageszeitung Népszabadság ist in Ungarn wiederbelebt worden. Sie erscheint nun als Wochenzeitung und Online-Medium. 2016 hatte der damalige Eigentümer, der Österreicher Heinrich Pecina, die damals auflagenstärkste ungarische Zeitung ohne Vorwarnung geschlossen und den Verlag an einen Viktor Orbán nahestehenden Geschäftsmann verkauft. Hinter dem Neustart stehen vier einheimische Privatleute.

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Népszabadság (HU) /

Ohne engagierte Eigentümer geht nichts

Népszabadság hat eine seltene Chance erhalten, schreibt ihr neuer Chefredakteur Ákos Tóth:

„Vor zehn Jahren hat das Orbán-System Népszabadság zunichte gemacht. ... Dies geschah zwar hinterrücks, jedoch nicht ohne Vorgeschichte: Ein scheinbar wirtschaftlich stabiler Hintergrund ist nichts wert, wenn sich der Eigentümer nicht genügend für die Presse und deren Unabhängigkeit engagiert. ... So hat Viktor Orbán die gegenüber seinem System kritische, unabhängige Zeitung schließlich zerstört. ... Die Redaktion scheint nun mehr Glück zu haben als unsere Vorgänger: Es gibt engagierte Eigentümer, und die Marktbedingungen können sich wieder einrenken.“

Parászka Boróka (HU) /

Es darf keine Verhältnisse wie damals mehr geben

Der Neustart sollte nicht als Zurückdrehen der Zeit interpretiert werden, meint die Publizistin Boróka Parászka auf Facebook:

„Wenn wir nicht aufpassen, wird der oberflächliche Beobachter den Neustart so interpretieren – egal, ob er nun Freund oder Feind der ehemaligen Népszabadság ist –, dass man nun Revanche nehmen und das, was vor zehn Jahren geschehen ist, wiedergutmachen könne. Das ist nicht möglich. Népszabadság lässt sich in der damaligen Form nicht wiederbeleben. ... Und es wäre auch nicht gut, wenn jene politische Korruption, jene versteckte, taktische Gewalt der Machthaber, die Népszabadság hinweggefegt und an ihrer Stelle ihr eigenes Propagandareich aufgebaut hat, heute auf ähnliche Weise weiterwirken würde.“