USA drosseln Starlink-Service in der Ukraine
Zwischen Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj herrscht wieder Eiszeit: Prompt war die ukrainische Armee Anfang dieser Woche mit dem Ausbleiben von US-Daten über russische Raketenstarts konfrontiert, was das Auslösen von Luftalarmen verzögerte. Auch wurde die Funktion von Starshield, der Militärversion des satellitengestützten Internet-Service Starlink, stark eingeschränkt. Europas Medien ziehen ihre Schlüsse.
Europas Ignoranz kommt jetzt teuer zu stehen
Von strategischer Unabhängigkeit ist Europa noch meilenweit entfernt, schimpft Die Welt:
„Europa kann der Ukraine nicht einmal eine annähernd gleichwertige Alternative zu Starlink bieten. Ähnlich verhält es sich mit dem existenziellen Mangel an amerikanischen Patriot-Flugabwehrraketen. Die Folgen von Europas Ignoranz und Inkompetenz bezahlen die Menschen in der Ukraine mit ihrem Leben. Das Gebaren der Trump-Leute in diesen Tagen ist der letzte Warnschuss für Europa. Keine Regierung bei Verstand darf sich bei militärischer oder kritischer Infrastruktur von amerikanischen Systemen wie Starlink oder Palantir abhängig machen.“
Kyjiw ist empfindlicher für US-Druck
Hospodářské noviny erklärt, weshalb Trump auf der Seite Russlands zu stehen scheint:
„Die USA haben gegenüber der Ukraine deutlich mehr Einfluss als gegenüber Russland – und dies ist der Hauptgrund, warum sie von ihr oft deutlich größere Zugeständnisse fordern als vom Aggressor, also Russland. Selenskyj könnte von Trump mit Maßnahmen von tatsächlich erheblicher Tragweite bedroht werden, wie etwa der Behinderung von Waffenlieferungen oder dem Stopp des Austauschs von Geheimdienstinformationen. Trumps Ziel ist der Friedensschluss; die Details interessieren ihn nicht. Am einfachsten lässt sich Druck auf die Konfliktpartei ausüben, die diesen Druck unmittelbar spürt.“
Mangel an Alternativen
Die Ukraine bleibt auf die militärische Unterstützung der USA angewiesen, konstatiert The Economist:
„Für das, was die USA bereitstellen, gibt es keine praktikablen Alternativen. ... Europa ist noch Jahre davon entfernt, das amerikanische Niveau bei der Raketenproduktion zu erreichen. ... Die Ukraine verfügt über keine Alternative zu amerikanischen Sensoren und Satelliten, die russische Täuschmanöver, Störmaßnahmen und Truppenbewegungen aufzeichnen und den Ukrainern so helfen, Drohnenangriffe zu planen und durchzuführen. Eine Beendigung dieser Zusammenarbeit würde die Fähigkeit der Ukraine, den Kampf nach Russland zu tragen, erheblich beeinträchtigen.“
Klärender Moment
Welchen Nutzen die fatale Entwicklung hat, erläutert Kolumnist Pierre Haski in France Inter:
„Das Positive an dieser Krise ist, dass sie für Klarheit in den Beziehungen zwischen den USA und dem erweiterten Europa sorgt. ... Sie ist eine wichtige Lektion für jene Europäer, die weiterhin US-Material kaufen und ihre Sicherheit von Entscheidungen abhängig machen, die in Washington getroffen werden. Bis zu dem Tag, an dem die Laune eines Präsidenten dazu führen wird, dass ein Satellitensignal abgeschaltet oder die Computersoftware eines Flugzeugs lahmgelegt wird. Das Konzept der strategischen Autonomie hat noch nie eine so dringliche Bedeutung erhalten.“