Wie antisemitisch ist Labour?

Die britische Labour-Partei sieht sich Antisemitismus-Vorwürfen ausgesetzt. The Sunday Times berichtete von antisemitischen Äußerungen in Labour-nahen Gruppen in sozialen Medien. Jüdische Gruppen demonstrierten, einer der größten Spender trat aus der sozialdemokratischen Oppositionspartei aus. Kommentatoren analysieren das Ausmaß antisemitischer Tendenzen bei Labour.

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Die Tageszeitung taz (DE) /

Labour muss Judenhass in eigenen Reihen bekämpfen

Offenbar gibt es einen tief verwurzelten Antisemitismus in der Labour-Partei, fürchtet die Tageszeitung taz:

„Es geht um Antisemitismus in Reinform: um das Gefasel von mächtigen jüdischen Strippenziehern, um die Leugnung des Holocausts, all dies vorgeblich im Namen der Kapitalismusbekämpfung und der Abgrenzung zum Mainstream. ... Es ist löblich, dass Corbyn und sein Apparat jetzt allmählich beginnen, diesen Tendenzen den Kampf anzusagen. Es ist zugleich schändlich, dass sie erst unter Druck tätig werden. Manche Corbyn-Enthusiasten tun die Antisemitismus-Vorwürfe bis heute als Teil einer Kampagne ab. … Dazu kann man nur sagen: Gut, dass es solche Kampagnen gibt. Denn wenn es Corbyn schadet, Antisemiten aus seinem Umfeld zu entfernen, stimmt etwas ganz grundsätzlich nicht. Bei einer Linken, die diesen Namen verdient, darf rechtsextremes Gedankengut keinen Platz haben.“

The Daily Telegraph (GB) /

Moralapostel am Pranger

Extremistische USA- und Israelhasser haben Labour fest im Griff, klagt The Daily Telegraph:

„Es ist offensichtlich, dass anständige Labour-Anhänger entsetzt sind - über das, was passiert ist, und auch, weil dem Bemühen der Partei, sich als offene und tolerante Bewegung darzustellen, enorm geschadet wurde. Doch sie sitzen in der politischen Falle, weil ihr Parteichef von der Unterstützung durch ultralinke Aktivisten abhängig ist, deren geopolitische Weltsicht vor allem vom Hass auf Amerika und Israel bestimmt wird. Die Gegner Labours werden ein gewisses Maß an Schadenfreude verspüren. Denn eine Partei, die sich gegenüber allen anderen gerne als Lehrmeisterin in Sachen Menschenrechte und Rassismus aufspielt, steht nun selbst wegen Verfehlungen in beiden Bereichen am Pranger.“