Syrien: Ende der kurdischen Autonomie?

Im Nordosten Syriens schwindet der Machtbereich der Kurden massiv, während die Einheiten der Übergangsregierung vorrücken. Gegenwärtig gilt ein viertägiger Waffenstillstand. Der US-Sonderbeauftragte für Syrien, Tom Barrack, erklärte, die ursprüngliche Funktion der kurdischen SDF als Truppe zur Bekämpfung des IS habe sich erübrigt, denn Damaskus könne nun die Lage kontrollieren. Die Medien erörtern die Folgen dieser Entwicklungen.

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Yetkin Report (TR) /

USA verzichten auf ihre Stellvertreter-Armee

Die Entwicklung wird die Beziehungen zwischen Ankara und Washington wieder verbessern, kommentiert Yetkin Report:

„Barracks Erklärung signalisiert das Ende einer angespannten Zeit in den türkisch-amerikanischen Beziehungen, die begann, als die Vereinigten Staaten in einer Phase des 2011 ausgebrochenen syrischen Bürgerkriegs den syrischen Ableger der PKK anstelle ihres Nato-Verbündeten Türkei als Partner im Kampf gegen den IS wählten, beginnend mit den Kämpfen um Kobani im Jahr 2014. Damals ließ die Obama-Regierung die SDF gründen, um eine formelle Zusammenarbeit mit der PKK zu vermeiden, die sie als terroristische Organisation eingestuft hatte. ... Dies wurde später vom damaligen Kommandeur der US-Spezialeinheiten, Raymond Thomas, öffentlich bestätigt.“

WOZ - Die Wochenzeitung (CH) /

So schnell sind die Kurden nicht unterzukriegen

Die Kurden kennen solche Situationen nur zu gut, analysiert die WOZ:

„Für die Kurd:innen selbst bricht ein weiteres Kapitel in einer langen Chronik der Selbstbehauptung an. Jenseits aller Romantisierung bleibt ihr Kern ihre beispiellose Zähigkeit: Wer Jahrzehnte der Verfolgung in vier Nationalstaaten überdauert hat, lässt sich auch jetzt nicht so rasch aus der Geschichte tilgen. Scharaa sollte sich bei seinen Nachbarn in Ankara, Teheran und Bagdad erkundigen: Nirgends ist es gelungen, den kurdischen Willen zur Selbstbestimmung dauerhaft zu brechen. Ganz im Gegenteil: Jeder Versuch, ihn gewaltsam zu ersticken, ist am Ende zum Bumerang geworden.“

La Libre Belgique (BE) /

Gute Verbündete nicht einfach aufgeben

Europa darf seinen Partnern im Kampf gegen den IS nicht die Unterstützung verweigern, fordert La Libre Belgique:

„Sie jetzt im Stich zu lassen, wäre nicht nur ein moralisches Versagen. Es wäre ein schwerwiegender strategischer Fehler. Ein Verrat an unseren Verpflichtungen und unseren grundlegendsten Interessen. Sollten wir dem gegenwärtigen Regime in Damaskus, wer auch immer es sein mag, nachgeben, um Chaos zu vermeiden? Nein, denn es hat nichts von Realismus, eine verbündete Minderheit einer illusorischen Stabilität zu opfern. Es ist unverantwortlich, die Freilassung kampferprobter Dschihadisten zu ignorieren. Es ist fahrlässig zu glauben, die Krise in Syrien bliebe ohne Folgen für Europa. Jeder Kompromiss mit Unmenschlichkeit wird uns früher oder später einholen.“