Treffen Merz-Meloni: Deutsch-italienischer Schulterschluss?
Deutschland und Italien wollen enger zusammenarbeiten. Bei seinem Besuch am Freitag in Rom unterzeichnete Bundeskanzler Friedrich Merz zusammen mit Regierungschefin Giorgia Meloni Vereinbarungen über eine engere Kooperation in den Bereichen Sicherheit, Migration und Verteidigung. Zudem kündigten beide gemeinsame wirtschaftspolitische Initiativen an. Kommentatoren fragen sich, was da im Entstehen sein könnte.
Eine neue Achse entsteht
El Mundo hofft auf außenpolitische Wirkung:
„Der Gipfel begründete eine neue politische Achse innerhalb der EU, die die europäische Antwort auf zwei Herausforderungen formulieren soll: die militärische Bedrohung durch Russland und den Druck der USA. … Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit sind zwei untrennbare Dimensionen derselben Strategie. … Die Koordinierung zwischen Rom und Berlin erhält durch Melonis Beziehung zu Trump auch eine geopolitische Dimension, da sie die amerikanische Logik versteht und sie mit dem europäischen Engagement in Einklang bringen kann. Das Ziel in der von Gewalt geprägten Weltordnung besteht darin, zu verhindern, dass sich Europa zwischen Russlands Aggressivität und Amerikas Transaktionalismus verfängt.“
Rom wird für Berlin zum neuen Paris
Auch Der Tagesspiegel sieht einen ziemlichen Wandel in den Beziehungen:
„Noch vor einem Jahr wurde in der Union darüber gestritten, ob man mit der Postfaschistin Meloni überhaupt reden dürfe. Nun ist der Kanzler gleich mit zehn Ministerinnen und Ministern nach Rom gereist. ... Dass die deutsch-italienischen Beziehungen so gut wie seit Jahren nicht mehr sind, liegt auch an den Drohgebärden von US-Präsident Donald Trump. Merz muss sich nach neuen Verbündeten umschauen und scheint sie in Südeuropa gefunden zu haben. ... Rom sei das neue Paris, heißt es inzwischen mitunter aus der deutschen Regierung. Tatsächlich schätzt der Kanzler, dass die Ministerpräsidentin außenpolitisch deutlich zuverlässiger agiert als Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.“
Das Ende des Misstrauens
La Stampa sieht Zeichen für eine Annäherung:
„Nach Jahren des Misstrauens, der Missverständnisse und eher formeller als aufrichtiger Handschläge scheinen sich die Beziehungen zwischen Italien und Deutschland zu bessern. Das Treffen zwischen Bundeskanzler Friedrich Merz und Regierungschefin Giorgia Meloni sowie die gemeinsame Unterzeichnung mehrerer Vereinbarungen zeigen langfristige Annäherungen, die hoffentlich positive Auswirkungen auf die gesamte Europäische Union haben werden. ... Es entsteht der Eindruck, dass Deutschland Giorgia Melonis Italien diesmal anders betrachtet: vor allem, weil es sich um eine stabile Regierung handelt. ... Zudem ist sie – aus deutscher Sicht – gegenüber den Vereinigten Staaten, dem derzeit heikelsten Akteur auf der internationalen Bühne, gut aufgestellt.“