Wie gefährlich wird Mandelson-Skandal für Starmer?
Die Labour-Regierung und der britische Premier Keir Starmer stehen unter Druck. Peter Mandelson wird nach der Veröffentlichung weiterer Epstein-Unterlagen verdächtigt, zu seiner Zeit als Wirtschaftsminister vertrauliche Regierungsinformationen an den damals bereits verurteilten Sexualstraftäter weitergeleitet zu haben. Noch 2024 ernannte Starmer Mandelson zum Botschafter in den USA und ist deswegen in Erklärungsnot.
Autorität des Premiers ist dahin
Die Mandelson-Affäre untergräbt Starmers Glaubwürdigkeit endgültig, so The Daily Telegraph:
„Starmer hat darauf gesetzt, dass die Fähigkeiten Mandelsons als Höfling es ihm ermöglichen würden, sich mit der Trump-Regierung in Washington gut zu stellen, was auch tatsächlich der Fall war. Mit anderen Worten: Er hat sich offenbar herzlich wenig um die Opfer von Epsteins Verbrechen geschert, solange seine Personalentscheidung politische Vorteile versprach. ... Der Premierminister mag versprechen, mit der Polizei zu kooperieren, über 'Verrat' schimpfen und sich darüber aufregen, dass er von Lord Mandelson belogen wurde. Aber das kommt alles zu spät.“
Ein Fehlgriff
Wäre Starmer seinem pragmatischem Prinzip treu geblieben, hätte er Mandelson nicht ernannt und sich Ärger erspart, glaubt The Economist:
„Wenn Starmer überhaupt eine Bestimmung hatte, dann war es, genau solche Dinge zu verhindern. Er war ein Politiker der Abläufe, nicht der Überzeugungen. Nach dem unberechenbaren Boris Johnson, dessen drei Jahre an der Macht von exekutivem Chaos geprägt waren, besaß das durchaus seinen Reiz. ... In einer Partei voller Berufspolitiker und durchsetzt von – zeitweise – geradezu psychopathischem Fraktionsdenken sollte Starmer ein erfrischend fairer Pragmatiker sein. Doch Lord Mandelson wurde vor allem wegen seiner Kontakte ernannt und wegen des Parteiflügels, den er repräsentierte.“