Social-Media-Verbot: Australiens Beispiel folgen?
In Spanien macht sich die Regierung von Pedro Sánchez für ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren stark, wie es im Dezember in Australien in Kraft getreten ist. Ähnliche Gesetzesinitiativen gibt es aktuell auch in Frankreich, Großbritannien, Rumänien und der Türkei – und sie bieten Europas Presse reichlich Diskussionsstoff.
Kinder vor wildem Kapitalismus schützen
Star lobt die in der Türkei geplante Social-Media-Sperre für Kinder unter 15 Jahren:
„Bitte lasst uns darüber keinen Konflikt zwischen Regierung und Opposition anzetteln. ... Hier geht es nicht um eine Einschränkung von Freiheit. Eingeschränkt wird nicht das Recht unserer Kinder auf Zugang zu den Möglichkeiten des Internets im digitalen Zeitalter. Eingeschränkt, verboten und konsequent bestraft gehören vielmehr jene globalen digitalen Plattformen, die unsere Kinder ins Visier nehmen, ihnen Fallen stellen oder versuchen, über sie Profit zu machen. ... Es gilt, eine saubere digitale Welt aufzubauen und den neu organisierten, ständig seine Werkzeuge und Formen wechselnden wilden Kapitalismus zu bekämpfen.“
Das Individuum braucht den Staat
Die Kolumnistin Maria José Fuenteálamo der konservativen Tageszeitung ABC würde für ein Social-Media-Verbot in Spanien sogar links wählen:
„Ich habe lange nicht mehr so viel Lob von Eltern gehört. Die Ankündigung erntet allgemeine Zustimmung. ... Man könnte sich fragen, warum wir bei so viel Einigkeit ein staatliches Verbot brauchen. ... Die Antwort ist prägend: Das Individuum schafft es nicht allein; es braucht den Staat. ... Wir können kritisieren, dass der Staat sich sogar in unsere Bildschirme einmischt, aber hier ist das angebracht. ... Ich sehe darin sogar einen überzeugenden Grund, um Sánchez zu wählen.“
Wissenschaftliche Grundlage mangelhaft
El País ist skeptisch:
„Es gibt kaum Erfahrungen mit einem ähnlichen Experiment. … Und auch keinen wissenschaftlicher Konsens. … Eine Studie untersuchte jüngst die Entwicklung von 25.000 Kindern im Alter von 11 bis 14 Jahren über drei Jahre und kam zum Schluss, dass weder soziale Medien noch Videospiele hinter einer Verschlechterung ihrer psychischen Gesundheit stecken. … Klar ist aber, dass sie Gewalt, Mobbing, Sexualisierung, Polarisierung und Sucht unter Minderjährigen aus Profitgründen fördern. … Soziale Medien sind verheerend, richtig. Aber auch die Frage eines querschnittsgelähmten 15-jährigen Australiers im Guardian ist berechtigt: 'Was ist mit denjenigen, die isoliert sind?'“
Frage der nächsten Generation überlassen
Statt Verboten sollte Aufklärung greifen, meint Maszol:
„Wir haben auch nicht gesetzlich festgelegt, dass kleine Kinder nicht an Steckdosen herumfummeln dürfen, sondern sie haben die Gefahren zu Hause gelernt. ... Es muss keine gesetzliche Altersbegrenzung festgelegt werden, sondern der sichere Umgang gelehrt werden. ... Für uns, die nicht in diesem Umfeld sozialisiert wurden, sind soziale Medien manchmal unverständlich, aber vielleicht wird die heranwachsende neue Generation, die bereits jetzt einen besseren Überblick hat, Gesetze erlassen, die wirklich dazu beitragen, Tragödien zu vermeiden und Sicherheit zu schaffen. Die Voraussetzung dafür ist, dass wir sie in der Zwischenzeit ausbilden.“