Frankreich: Wie umgehen mit Tod eines Rechtsextremen?
In Lyon ist ein Aktivist der rechtsextremen Identitären Bewegung offenbar tot geprügelt worden. Der 23-jährige Quentin war am Donnerstag am Rande eines Auftritts der linken EU-Abgeordneten Rima Hassan unter unklaren Umständen zusammengeschlagen worden und ist am Samstag seinen Verletzungen erlegen. Präsident Macron rief zu Ruhe, Zurückhaltung und Respekt auf.
Wendepunkt vor den Wahlen
Das spaltet Frankreich weiter und lässt wichtige Wahlkampfthemen in den Hintergrund rücken, warnt Les Echos:
„Einen Monat vor den Kommunalwahlen ist dieses Ereignis ein Wendepunkt: Extremismus tötet in Frankreich. Die diesmal unbestreitbare Gewalt in der öffentlichen Debatte und die von den Extremen vorangetriebene Polarisierung sind eines der Kennzeichen der letzten Jahre. ... Darüber hinaus wird die Sicherheit, wie bei den Kommunalwahlen, eine immer größere Rolle spielen. Das ist legitim, aber die Wirtschaft wird davon nicht profitieren. ... Angesichts der immensen Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt, sollten die Wirtschafts- und Haushaltspläne der zukünftigen Kandidaten nicht in den Hintergrund treten.“
Das Land muss zur Ruhe kommen
Jetzt darf nicht noch mehr Hass geschürt werden, warnt Libération:
„Sicher ist, dass das unerträgliche Klima der Maßlosigkeit und Intoleranz, das seit einiger Zeit in der französischen Politik herrscht - und leider nicht nur dort -, nur zu solchen Dramen führen kann, indem es zu einfache Gemüter erhitzt, egal welcher politischen Richtung sie angehören. Aber diejenigen, die heute mit dem Finger auf diesen oder jenen Schuldigen zeigen und damit die Glut dieses Kessels voller wiederaufgeflammter Hassgefühle noch weiter anfachen, täten gut daran, ihre Ruhe und Ernsthaftigkeit wiederzufinden. ... Einen Monat vor den Kommunalwahlen und knapp ein Jahr vor der Präsidentschaftswahl muss man sich jede Sekunde vor Augen führen, dass politische Gewalt zum Tod führen kann.“
Märtyrer der Meinungsfreiheit
Quentin ist für Le Figaro zum Opfer einer linken Meinungstyrannei geworden:
„Der vom [Philosophen Alain] Finkielkraut prophezeite 'antifaschistische Totalitarismus' zeigte sich in Lyon in seiner wildesten Form und liegt schon viel zu lange wie ein giftiger Konformismus in der Luft. ... Eine ganze Generation, die darauf trainiert ist, alles zu entmenschlichen, was auch nur im Entferntesten mit der 'extremen Rechten' zu tun hat, Politiker, die aus Feigheit mitmachen, ein medialer Klerus, der Verbannungen ausspricht, und ein Junge, der friedlich ein Banner gegen die 'Islam-Linke an unseren Universitäten' schützen will und durch Schläge stirbt. ... Quentin ist in dieser Geschichte kein 'Aktivist', der in eine 'Schlägerei' verwickelt ist, sondern ein Märtyrer der Meinungsfreiheit.“