Verhandlungen Russland-Ukraine: Kein Ergebnis?

Die Gespräche in Genf zwischen Vertretern der Ukraine und Russlands unter Beisein der USA sind nach zwei Tagen zu Ende gegangen. Russlands Verhandlungsführer, der Putin-Berater Wladimir Medinski, sprach von schwierigen, aber sachlichen Gesprächen. In einem Interview sprach der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj von Fortschritten in Bezug auf militärische Fragen. Über konkrete Ergebnisse wurde bisher jedoch nichts bekannt.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung (DE) /

Dem Frieden nicht näher gekommen

Die Äußerungen, es seien "sachliche" und "intensive" Gespräche gewesen, haben vor allem einen Adressaten, glaubt die Frankfurter Allgemeine Zeitung:

„[D]en Möchtegernfriedensfürsten Donald Trump. Russland geht es bei diesen Verhandlungen nicht um Frieden, sondern darum, einen Keil zwischen die Ukraine und die USA zu treiben. Für die Ukraine wiederum ist es überlebenswichtig, dieses Ziel Moskaus zu vereiteln. Einen Frieden bringt das nicht näher. In Griffweite kommt eine Waffenruhe erst dann, wenn konstanter Druck Russlands innere Schwierigkeiten so verstärkt, dass Wladimir Putin eine Kampfpause für taktisch vorteilhaft hält.“

Radio Kommersant FM (RU) /

Alles ist sehr kompliziert

Radio Kommersant FM sieht nur einen bescheidenen Grund für Optimismus:

„Das Hauptergebnis ist, dass in den kommenden Tagen eine neue Runde stattfinden wird. Wäre die nicht angekündigt worden, wäre alles völlig schlecht gewesen. Aber so kann man wenigstens sagen, dass es etwas zu besprechen gibt. Und wenn es früher noch eine Portion Optimismus gab, so schätzte die absolute Mehrheit der Beobachter und Experten die Lage vor dem Treffen in Genf als aussichtslos ein. ... Das Treffen ist zu Ende. Nicht genug, dass es keinen Durchbruch gab – die Seiten haben im Grunde nichts zu sagen, außer das alles sehr kompliziert ist.“

Der Standard (AT) /

Business geht vor Konfliktregulierung

Die Friedensinitiativen der USA laufen im Grunde auf Geschäftemacherei hinaus, kritisiert Der Standard:

„Anstatt erfahrene Diplomaten aus dem US-Außenministerium schickt Trump in seine 'Friedensverhandlungen' seit jeher den Anwalt und Immobilienentwickler Steve Witkoff und seinen Schwiegersohn Jared Kushner. Klar geht es in Friedensverhandlungen immer auch ums Geschäft. Aber Witkoff, Kushner und Trump scheinen gar nicht um Frieden, sondern rein ums eigene Geschäft zu verhandeln. Und zwar um das mit Russland. Die US-Unterstützung der von Russland geforderten Gebietsabtrennungen über die derzeitige Frontlinie hinaus lässt sich nur erklären, wenn am Ende eine lukrative Wirtschaftskooperation zwischen Russland und den USA – oder dem Trump-Clan – stehen soll.“