Paralympics: Streit um russische Teilnahme

Bei den paralympischen Winterspielen in Italien sorgt die Entscheidung für Kritik, Teilnehmende aus Russland und Belarus mit ihren Flaggen einlaufen zu lassen. Dem ukrainischen Team wurde indes das Tragen eines Outfits mit der Landkarte der Ukraine – einschließlich der russisch besetzten Gebiete – verboten. Mehrere Verbände schlossen sich dem von der Ukraine angekündigten Boykott der Eröffnungsfeier an.

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Frankfurter Allgemeine Zeitung (DE) /

Propaganda-Instrument des Kremls

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist entsetzt:

„Russland hat hartnäckig auf der politischen Bühne für diese Rückkehr gekämpft und versteht auch den Para-Sport als wichtiges Propaganda-Instrument. Auch Events mit Para-Athleten verstärken die Durchhalteparolen für den Invasionskrieg gegen die Ukraine, der weiterhin für Nachschub an versehrten Teilnehmern sorgen wird. Und auf der internationalen Bühne wird jeder Medaillengewinn der Welt Russlands Stärke und Macht vorhalten. Steht der russische Para-Sport fernab der Politik? Mitnichten. Das Großprojekt des Russischen Paralympischen Komitees 'Wir sind zusammen. Sport' hat Hunderte Veteranen der russischen Invasion gefördert – Menschen, die aktiv am unsäglichen Leid der ukrainischen Bevölkerung beteiligt waren und nun Kaderplätze im Para-Sport erhalten.“

Tageblatt (LU) /

Manche ukrainische Athleten sind Kriegsverwundete

Auch das Tageblatt kritisiert die Entscheidung:

„Bereits bei der Verkündung folgte Kritik aus der Ukraine, die weder ihr Team noch offizielle Vertreter zur Eröffnungsfeier schicken wird. Verständlich, wenn man alleine schon bedenkt, dass einige ukrainische Athleten durch den Krieg in ihrer Heimat schwer verwundet wurden. Inzwischen haben auch weitere Länder wie die baltischen Staaten oder Deutschland mitgeteilt, dass ihre Teams nicht beim Einmarsch der Nationen in Verona dabei sein werden. ... Es ist schade für die paralympische Bewegung, dass das rein Sportliche derzeit kaum Erwähnung findet, denn die Paralympics und ihre Athleten haben auf jeden Fall viel mehr zu bieten.“

Latvijas Avīze (LV) /

Den olympischen Gedanke verraten und verkauft

Latvijas Avīze stellt die olympischen Spiele insgesamt infrage:

„Man braucht den Boykott nicht zu scheuen, denn die olympische Bewegung hat sich selbst erschöpft. Sie ist ein rückgratloses, prinzipienloses, sterbendes Event. Das IOC ist eine private Organisation, die auf Kosten der Athleten und durch von den Fans finanzierten TV-Lizenzen Milliarden scheffelt. Gleichzeitig werden die Hauptakteure (die Athleten) für die geringste Meinungsfreiheit gegängelt oder bestraft, wie im Fall des ukrainischen Skeletonfahrers Heraskevych. ... Die Gehaltslisten des IOC werden nicht veröffentlicht, stattdessen prahlt man, die Entscheidungsträger im IOC handelten im Namen einer Idee. ... Leider sind die Ideen grundlegend falsch; sie öffnen Mördern Tür und Tor, wenden sich aber von ihren Opfern ab!“