Mobiles Internet in Moskau weiträumig abgeschaltet

In der Moskauer Innenstadt funktionieren seit einer Woche das mobile Internet sowie öffentliche WLAN-Hotspots nicht mehr. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow begründete dies diffus mit Sicherheitsanforderungen. Bislang gab es in der russischen Metropole Netzabschaltungen allenfalls vorübergehend bei Großereignissen oder wenn ukrainische Drohnen im Luftraum geortet wurden.

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Nowaja Gaseta (RU) /

Gesellschaftliche Grabesstille

Nowaja Gaseta erkennt die Folgen eines ausartenden repressiven Systems:

„Der Führungsfigur wurde schon vor langer Zeit versprochen, alle Bedrohungen zu beseitigen. Diese Figur versteht bekanntlich nicht viel vom Internet und stimmte daher allen Vorschlägen zu. Nun versucht man, das Beste daraus zu machen. Schweigend, denn niemand kann je mit einfachen Worten verständlich erklären, wozu das sein muss. ... Doch entscheidend ist, dass diese Fragen schon niemand mehr stellt. Denn es gibt niemanden mehr, der fragen könnte, denn der langsam gekochte Bürger-Frosch quakt nicht mehr, sondern passt sich still und geduldig an das Geschehen an. ... Angst, banales Überlebensbedürfnis und langjährige Apathie zeigen ihre Wirkung.“

Echo (RU) /

Back in the USSR

Journalist Leonid Parfjonow sieht Russland in einem von Echo übernommenen Telegram-Post im Totalitarismus angekommen:

„Im Internet blühte russische Freiheit: Jeder baute sich sein eigenes persönliches Ökosystem auf, das ihn immer und überall begleitete. Der Staat mischte sich da nicht ein, im Gegenteil, er verhielt sich online selbst wie ein Service-Anbieter: Bitteschön, hier sind meine Behörden-Portale. Jetzt zwingt man alle, da globale soziale Netzwerke, Messenger, YouTube und dergleichen verboten sind, Max herunterladen – das ist wie das Pflichtabonnement der Zeitung 'Prawda' anno 1970. Es wird ein grundlegender Schritt gemacht: vom Autoritarismus zum Totalitarismus. Sagen Sie später nicht, dass er unvermittelt gekommen sei.“

Nikolai Mitrochin (RU) /

Alles lahmgelegt, was gehackt werden könnte

Politologe Nikolai Mitrochin erklärt auf Facebook den Moskauer Internet-Shutdown mit den Geschehnissen zu Beginn des Iran-Kriegs:

„Vor zwölf Tagen haben Israel und die USA fast die gesamte Führungsspitze der iranischen Junta vernichtet, indem sie einen Zugang zum Internet im Land nutzten und die Bewegungen der Führungskräfte in Teheran über die Überwachungskameras auf den Straßen beobachteten. Bei Putin und dem FSB hat der Instinkt schnell reagiert. Man hat abgeschaltet und wird etappenweise noch weiter alles abschalten, was von außerhalb des Landes genutzt werden kann. Und sie werden es abgeschaltet lassen, bis sie ein vollständig abgeschottetes System geschaffen haben, das auf eventuelle Schlupflöcher überprüft wurde.“