Dänemark: Was ist von Kokain-Beichte zu halten?
Kurz vor der Parlamentswahl in Dänemark am 24. März hat der Vorsitzende der bürgerlichen Liberalen Allianz mit einem Geständnis für Aufsehen gesorgt: Er habe früher mal auf Feiern Kokain konsumiert, erklärte der 34-jährige Alex Vanopslagh. Heute sei sein Leben allerdings ein anderes und danach sollten ihn die Dänen beurteilen. Kommentatoren sehen trotzdem Anlass für Kritik.
Kampf gegen Drogen wird so erschwert
Jyllands-Posten ist bestürzt:
„Das macht den Kampf für die Jugendlichen, die Nein sagen wollen, nicht leichter. ... Ob ehrlich oder nicht, es macht auch den Kampf für Polizisten, Lehrer und Eltern nicht leichter, die täglich versuchen, die Jugendlichen von Drogen fernzuhalten. Danke für die 'Hilfe', Vanopslagh. ... Dass der Fall die Unterstützung in den eigenen Reihen wohl kaum erschüttern wird, gibt zu denken. Bei einer Kundgebung der Liberalen Allianz in Aarhus am Sonntagabend wurde das Geständnis mit Gelächter und missglücktem Applaus quittiert. Das sagt einiges über die Akzeptanz aus – sowohl gegenüber dem Parteivorsitzenden als auch gegenüber Kokain.“
Versagen auf ganzer Linie
Politiken sieht Heuchelei:
„Vanopslagh hat auf mehreren Ebenen versagt. Allen voran als politischer Führer. Es ist der Gipfel der Heuchelei, wenn die Liberale Allianz unter seiner Führung einerseits bereitwillig für immer härtere Maßnahmen gegen Bandenkriminalität stimmt und wiederholt die Abschiebung krimineller Ausländer fordert, andererseits aber der Parteichef durch seinen eigenen Kokainkonsum nachweislich einen der schlimmsten und brutalsten Aspekte der Bandenkriminalität in Dänemark mitfinanziert hat. Gleichzeitig enttäuscht Alex Vanopslagh auch die jungen Menschen, für die er sich so erfolgreich als Vorbild inszeniert hat.“