Artemis 2: Menschheit auf dem nächsten Level?
Nach rund zehn Tagen im All ist die Crew der Artemis 2 wohlbehalten zurückgekehrt. Die Mission wurde von Politikern, Wissenschaftlern und der Bevölkerung in vielen Ländern als spektakulär und historisch bezeichnet. Kommentatoren denken darüber nach, ob der Flug rund um den Mond positive oder negative Folgen nach sich zieht.
Erdbewohner müssen zusammenhalten
Diese Mission sollte der erste Schritt zu einer Weltraum-Kooperation zwischen den Großmächten sein, schreibt Diário de Notícias:
„Sowohl die USA als auch China sind bestrebt, am Südpol des Mondes eine Basis zu errichten, von der aus sie Ressourcen wie gefrorenes Wasser, Wasserstoff und Helium gewinnen können. Beide wollen Kernreaktoren bauen, um ihre Stützpunkte mit Energie zu versorgen, und beide wollen Missionen vom Mond aus starten und sich weiter in den Weltraum vorwagen. … Wenn die Menschheit wirklich zum Mars und vielleicht sogar noch weiter gelangen will, wird dies sicherlich einfacher sein, wenn man zusammenarbeitet. Und die Geschichte hat bereits gezeigt, dass im Weltraum selbst die erbittertsten Rivalen zusammenarbeiten können.“
Wissenschaft überstrahlt alles Schlechte
El País freut sich über den gelungenen Ausflug der Artemis 2:
„Mit der Mission zum Mond kehren die alten Widersprüche und einige neue auf die Erde zurück. Vor allem der schockierende Kontrast zwischen einer erhellenden Wissenschaft und der schmerzhaften Wahrnehmung von Krieg, Vernichtung und Dummheit, die uns seit mehr als 100.000 Jahren begleiten. ... Das ist die Bedeutung von Artemis und ihren Nachfolgern für die heutige Generation: Sie versetzen uns in den großen Rahmen der Dinge und erinnern uns an die Macht der Wissenschaft über Ignoranz und Aberglauben. ... Unter den Mädchen von heute sind die Astronautinnen, Ingenieurinnen und Wissenschaftlerinnen von morgen. Schon allein deshalb hat sich Artemis 2 gelohnt.“
An der Realität vorbeigeflogen
Astronauten betonen oft, wie wichtig die Erde und die menschliche Solidarität sind. Die taz meint dazu:
„Ironischerweise schaffen wir es nicht, diese teuren Weisheiten zu befolgen. ... Das könnte daran liegen, dass man vom All aus zwar die Golden Gate Bridge sehen kann, nicht aber hungernde Kinder im Sudan oder zerbombte Schulen in Gaza. Wie viele andere Industrienationen ist Deutschland gerade erneut daran gescheitert, seine versprochene Summe in Entwicklungsarbeit zu investieren. Gleichzeitig werden Klimabudgets geschreddert, wird Kriegen und humanitären Krisen der Rücken zugekehrt. Um den Welthunger zu stoppen, bräuchte man laut Oxfam 30 Milliarden US-Dollar jährlich. Doch die feuern wir lieber ins All, in der Hoffnung, dass uns der Blick von oben klüger macht.“