Selenskyj bietet Putin direktes Friedensgespräch an

Der ukrainische Präsident Selenskyj hat Russlands Staatschef Putin vorgeschlagen, den Krieg durch direkten Austausch zu beenden. Ein Treffen solle jedoch weder in Kyjiw noch in Moskau, sondern beispielsweise in der Schweiz stattfinden, hieß in einem online veröffentlichten Brief. Präsident Putin erklärte sich zu einer Vereinbarung auf Grundlage seiner Gespräche mit US-Präsident Trump in Alaska bereit.

Alle Zitate öffnen/schließen
Walerij Pekar (UA) /

Adressaten sind westliche und russische Eliten

Der Publizist Walerij Pekar analysiert auf Facebook:

„Dieser Brief ist nicht an Putin gerichtet. Seine Zielgruppen sind: 1. Die westlichen Eliten, denen vermittelt werden soll, dass die Ukraine bereit ist, den Krieg zu beenden, Russland jedoch nicht – und dass man Russland dabei helfen muss, ebenfalls dazu bereit zu werden. 2. Die russischen Eliten, denen signalisiert wird, dass es an der Zeit ist, darüber nachzudenken, wie es weitergeht. Die ukrainische Gesellschaft, die Bevölkerung der Russischen Föderation und Putin persönlich gehören nicht zu den Zielgruppen dieses Briefes. Somit handelt es sich um eine gelungene Kombination aus einem militärischen [Drohnenangriff auf Sankt Petersburg am 3. Juni] und einem kognitiven Angriff.“

Wiktor Schlintschak (UA) /

Eine Falle für Moskau

Ein Nein von Putin ist in Selenskyjs Absicht einkalkuliert, schreibt der Politologe Wiktor Schlintschak auf Facebook:

„In diesem Brief wurde Moskau bewusst eine Falle gestellt. Selenskyj bietet einen Ausweg an, wohl wissend, dass Putin ihn ablehnen wird. Doch diese Ablehnung kann anschließend von allen demonstriert werden – den Russen, den Amerikanern, den Europäern und dem globalen Süden. Sie lässt sich als Beweis dafür nutzen, dass das Problem nicht in den Formaten [der Friedensgespräche] liegt, wie manche glauben. Sondern darin, dass Putin grundsätzlich nicht bereit ist, den Krieg ohne eine Niederlage der Ukraine zu beenden.“

Echo (RU) /

Kreml-Chef als Schwätzer entlarvt

Der Politologe Abbas Galliamow konstatiert in einem von Echo übernommenen Telegram-Post, dass Selenskyj mit seinem Brief ins Schwarze getroffen hat:

„Von Anfang an war klar, worüber Putin bei seiner Ankunft auf dem [Petersburger Wirtschafts-] Forum sprechen würde: Er würde Märchen über russische Erfolge an der Front und in der Wirtschaft erzählen. Für Selenskyj war es deshalb ausreichend, vor der Presse irgendeine sachliche Erklärung abzugeben, um einen Kontrast zu schaffen. ... Genau das hat Selenskyj getan – er hat einen offenen Brief an Putin veröffentlicht, in dem er ihm ein Treffen vorschlägt. Nun hat jeder den klaren Eindruck, dass Selenskyj es ernst meint, während Putin nur ein Schwätzer ist.“