Tun Europas Staaten genug gegen Waldbrände?

Schwere Waldbrände wüten derzeit in Frankreich und Spanien. Rund 250.000 Menschen mussten ihre Häuser an der französischen Atlantikküste in der Region um Bordeaux verlassen. Das Feuer nähert sich der Großstadt bedrohlich und ist bislang nicht unter Kontrolle. In Spanien kämpfen Feuerwehrleute gegen mehrere Großbrände in den Regionen Madrid und Valencia. Insgesamt 75.000 Menschen mussten in Sicherheit gebracht werden.

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La Libre Belgique (BE) /

Wasser, Feuer und Hitze zerstören unsere Heimat

Die Folgen des Klimawandels sind keine Zukunftsfrage mehr und betreffen uns alle, warnt La Libre Belgique:

„Bis vor Kurzem dachte man bei dem Begriff 'Klimaflüchtlinge' an weit entfernte Bevölkerungsgruppen, die durch den steigenden Meeresspiegel, Dürre oder Wüstenbildung aus ihrer Heimat vertrieben werden. Doch auch in Europa kann unsere Umwelt innerhalb weniger Stunden unbewohnbar werden. Auch wir sind potenzielle Klimaflüchtlinge. … Wasser, Feuer und Hitze sind die drei Gesichter derselben Verwundbarkeit. Es wurde seit Langem vorhergesagt, dass diese extremen Wetterereignisse häufiger und intensiver werden – heute sind sie unsere Realität. Der Klimawandel ist nicht mehr bloß eine Kurve in einem Diagramm oder ein Szenario für 2050. Er lässt sich bereits in verlorenen Menschenleben und verwüsteten Landschaften messen.“

La Tribune de Genève (CH) /

Brandschutz ist wichtiger als Aufrüstung

Europa muss seine Prioritäten ändern, fordert La Tribune de Genève:

„Man erntet genau das, was man gesät hat. Indem man der Rüstung Vorrang vor dem Bevölkerungsschutz gegeben, die Flotte an Löschflugzeugen hat veralten lassen und sich geweigert hat, auf die Klimawarnungen zu hören, hat man den Flammen ein Spielfeld ohne Widerstand geboten. Die Brände werden häufiger, schneller und stärker sein. Solange es noch etwas zu verbrennen gibt, werden sie weiterhin unsere Landschaften verschlingen. Und solange die öffentlichen Haushalte weiterhin stärker auf Krieg als auf den Schutz des Landes ausgerichtet sind, wird sich nichts ändern. Es ist an der Zeit, es ganz offen zu sagen: Die größte Dringlichkeit ist nicht mehr militärischer Natur - sie ist klimatisch, menschlich und territorial. Wegzuschauen ist keine Option mehr.“

La Vanguardia (ES) /

Mit Anschuldigungen löscht man keine Brände

La Vanguardia ist enttäuscht über die Reaktion der Politiker:

„Die Verantwortung ist geteilt. Am schwersten lastet sie auf den Brandstiftern. ... Doch es gibt auch andere. Ein Teil der Schuld liegt bei Waldbesitzern, die es versäumen, ihre Flächen ordnungsgemäß zu pflegen. ... Auch Institutionen tragen ihren Teil der Schuld, besonders wenn sie öffentliche Investitionen so drastisch kürzen, dass sie uns den alles verschlingenden Flammen schutzlos ausliefern. Und, was noch empörender ist, wenn sich rivalisierende Politiker gegenseitig mit Anschuldigungen überhäufen. ... So löscht man gewiss keine Brände.“

Irish Independent (IE) /

Wetterwechsel dürfen nicht träge machen

Ein Ende der Brände darf nicht dazu führen, dass Klimaschutzmaßnahmen wieder hintangestellt werden, mahnt Irish Independent:

„Die Waldbrände sind nur die eindrücklichste Veranschaulichung der Probleme einer sich erwärmenden Welt. In den kommenden Jahrzehnten werden weitaus mehr Menschen an den Folgen extremer Hitze sterben als durch derartige Feuer. ... Wir hatten den heißesten Juni seit Beginn der Aufzeichnungen. Er führte in ganz Europa zu 10.000 zusätzlichen Todesfällen. ... Die gute Nachricht ist, dass die Temperaturen in den kommenden Tagen voraussichtlich sinken werden. In einigen Regionen erwartet und erhofft man Regenschauer. Die Sorge besteht jedoch darin, dass die Entspannung der Lage als weiterer Vorwand dienen wird, notwendige Maßnahmen stillschweigend aufzuschieben.“