Mord an russischem Karikaturisten in Polen
Der russische Künstler und Regimekritiker Semyon Skrepetsky ist am Montag im ostpolnischen Biała Podlaska auf offener Straße erschossen worden. Die Behörden gehen von einer gezielten Tötung aus und fahnden nach dem Täter. Skrepetsky hatte vier Tage zuvor in Berlin vor der russischen Botschaft demonstriert. Er war für spöttische Karikaturen von Putin, Lukaschenka und Stalin bekannt.
Ein Akt von Staatsterrorismus
Rzeczpospolita sieht die Verantwortung in jedem Fall beim Kreml:
„Es spielt keine große Rolle, ob hinter diesem Verbrechen (fünf Schüsse aus nächster Nähe in Kopf und Brustkorb sind eine demonstrative Hinrichtung am helllichten Tag) Tschetschenen, Belarusen, Russen oder Söldner aus dem russischsprachigen Teil der Ukraine standen. Es besteht kein Zweifel daran, dass die Entscheidung von Feinden Polens und des Westens getroffen wurde, und wer den Abzug betätigt hat, ist zweitrangig. Es ist bereits heute erkennbar, dass die Trollfarmen versuchen, diesen Mordfall herunterzuspielen. Deshalb muss deutlich gesagt werden, dass es sich um einen Akt von Staatsterrorismus handelt, um die Hinrichtung eines russischen Oppositionellen, für die der Kreml die Verantwortung trägt.“
Ein Anschlag wie auf Charlie Hebdo
Pianist Jewgeni Alexejew sieht in einem von Echo übernommenen Facebook-Beitrag in der Tat mehr als einen Mord:
„Dies ist ein Terroranschlag, der in seiner Tragweite dem Anschlag auf 'Charlie Hebdo' in nichts nachsteht. Eine Abrechnung für aktives Handeln (in diesem Fall eine künstlerische Äußerung), verbunden mit der Einschüchterung der gesamten Gesellschaft. Die klassische Definition eines Terroranschlags. ... Dabei bin ich kein Fan von Skrepetskys Schaffen. ... Aber auch die Arbeiten von 'Charlie Hebdo' haben bei weitem nicht alle 'glücklich gemacht'! Normale Kritik am künstlerischen Schaffen sollte jedoch in Rezensionen und Kommentaren stattfinden und nicht durch körperliche Gewalt.“
Einschüchterung von einflussreicheren Kritikern
Polityka fragt nach dem Motiv und der internationalen Reaktion:
„Warum sollte man jemanden töten, der keine echte Bedrohung für die Russische Föderation oder Belarus darstellt? Die Geheimdienste beschäftigen sich normalerweise nicht mit solch unerheblichen Angelegenheiten. ... Möglicherweise war das Ziel des Mordes, weitaus einflussreichere Kritiker der Regierungen von Russland und Belarus wie Andrzej Poczobut, Pawel Latuschka, Dmitri Gudkow oder Garri Kasparow einzuschüchtern. Der Tod Skrepetskys wird wahrscheinlich weder eine nennenswerte politische Reaktion auf EU-Ebene auslösen noch zu neuen Sanktionen führen.“
Wer gegen den Kreml aufsteht, ist in Gefahr
Jeder Exilant ist bedroht, schreibt der in Polen lebende russische Journalist Andrej Grigoriew in Gazeta Wyborcza:
„Am Beispiel von Semyon Skrepetsky sehen wir, dass man kein weithin bekannter Anführer einer gesellschaftlich-politischen Bewegung oder in den Augen der Propaganda einer der Hauptfeinde Russlands sein muss, damit das Leben eines Menschen durch die russischen Geheimdienste bedroht ist. Die Gefahr kann jeden politischen Emigranten betreffen. ... Wenn ein politisch motivierter Mord an einem russischen Exilanten in einer streng überwachten Grenzregion eines Nato-Mitgliedstaates verübt werden kann, wird diese Nachricht bei jenen nicht unbemerkt bleiben, die Russland verlassen haben und sich vom Ausland aus weiterhin offen gegen den Kreml stellen.“