Ukraine nimmt Versorgung der Krim ins Visier

Nach ukrainischen Angriffen auf die Versorgungslinien der von Russland besetzten Halbinsel Krim werden die Auswirkungen immer spürbarer. Der Kraftstoffverkauf wurde zeitweise ausgesetzt und der Autoverkehr über die Kertsch-Brücke sowie die Fährverbindungen wurden vorübergehend eingestellt. Die Besucherzahlen im Tourismus brechen ein. Welche Folgen hat das?

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Postimees (EE) /

Maßstab für Putins Macht

Welche Bedeutung die Kontrolle über die Halbinsel hat, führt Postimees aus:

„Wenn im Krieg jemandes Bruder, Sohn oder Ehemann gefallen ist, lässt sich dies mit der Eroberung der Krim und ihrer Angliederung an Russland rechtfertigen. ... Könnte man nach den enormen Verlusten der vergangenen vier Kriegsjahre nicht einmal die Krim halten, stünde es schlecht um die Sache. Sollte die Ukraine die Krim zurückerobern, wäre das der Zusammenbruch des Putin-Regimes – selbst wenn einige besetzte ukrainische Gebiete in russischer Hand blieben. Die Krim ist der Maßstab für die Stärke von Putins Macht.“

Webcafé (BG) /

Ukraine sichert sich mehr Verhandlungsspielraum

Einen strategischen Schachzug der Ukraine sieht Webcafé:

„Die ständig unter Beschuss stehende Landverbindung im Norden, die gesperrte Fährverbindung durch die Straße von Kertsch und die blockierte Krimbrücke führen dazu, dass rund 2,4 Millionen Menschen auf der Krim unter extrem schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen leben. Schlüsselbranchen wie Landwirtschaft, Fischerei, Einzelhandel und vor allem der Sommertourismus sind besonders stark betroffen. ... So schwächt die Ukraine die gesamte Südfront, ohne direkt die befestigten Stellungen Russlands in Cherson oder Saporischschja durchbrechen zu müssen. Gelingt es Moskau nicht dagegen vorzugehen, könnte sich Kyjiw durch die Krim-Krise mehr Verhandlungsvorteile bei künftigen Friedensverhandlungen verschaffen.“

Jewgeni Alexejew (RU) /

Ohne Legalität keine Zukunft

Der Pianist Jewgeni Alexejew reflektiert auf Facebook:

„Von den ersten Tagen der Annexion der Krim an tat mir gerade die Bevölkerung leid, die sich damals größtenteils freute und bereit war, 'Steine vom Himmel' auf sich herabregnen zu lassen, aber das Offensichtliche nicht begriff: Der Verlust des rechtlichen Status ist der erste Nagel im Sargdeckel. ... Und nun regnen im wahrsten Sinne des Wortes tatsächlich Steine vom Himmel herab. ... Hätte Putin es ohne die groß angelegte Invasion im Jahr 2022 geschafft, einen legalen Status für die Krim auszuhandeln? Ich glaube schon. Meiner Meinung nach wäre es am einfachsten gewesen, diesen gegen Donezk und Luhansk einzutauschen.“