Ungarn: Aus für gedruckte Tageszeitungen

Seit diesem Montag gibt es in Ungarn keine gedruckte politische Tageszeitung mehr. Die der früheren Fidesz-Regierung nahestehende Zeitung Magyar Nemzet erscheint künftig nur noch als Wochenzeitung. Auch die linksgerichtete Tageszeitung Népszava stellt nun ihre tägliche Printausgabe ein. Népszava wurde in den vergangenen Jahren dafür kritisiert, dass sie unter der Orbán-Regierung staatliche Werbeanzeigen erhielt. Diese fielen nach dem Regierungswechsel weg.

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Népszava (HU) /

Presse in der Zwickmühle

Die Zeitung hat nicht nur mit einem Problem zu kämpfen, erklärt Publizist István Földesi in Népszava:

„In den vergangenen Jahren sind die Abonnentenzahlen in erschreckendem Tempo geschrumpft. Der allgemeine Rückgang der Gutenberg-Galaxie [Printmedien], die weggeschnappten Werbeeinnahmen von Online-Plattformen, die gar keine Inhalte produzieren, und der absichtliche Wegfall staatlicher Werbeanzeigen haben die Zeitung in eine wirtschaftliche Zwickmühle gebracht. Schließlich kündigte die Firma Mediaworks – eines der tödlichen Überbleibsel des Mafia-Regimes, das den [Wahltag] 12. April überlebt hatte und als erstickendes Monopol den Druck- und Vertriebsmarkt beherrscht – den Vertrag mit Népszava unter Berufung auf erhebliche Schulden mit sofortiger Wirkung.“

hvg (HU) /

Freiraum bewahrt

Die Glaubwürdigkeit von Népszava wurde durch die staatlichen Werbeanzeigen in der Orbán-Ära nicht beeinträchtigt, findet hvg-Autor Sándor Révész:

„Ich kann mich an keinen einzigen bedeutenderen Fall erinnern, über den Népszava geschwiegen hätte. .... In einer solchen Situation kann man nur zwischen dem Nichts und dem Etwas wählen. Entweder füllt man den gegebenen Raum aus oder lässt ihn verloren gehen. Wenn der Medienraum der Machthaber so riesig und der der Opposition so eng ist, dann ist es nicht nur Dummheit, den vorhandenen Raum aufzugeben – sondern ein Verbrechen. ... Dieses Verbrechen durften die Kollegen von Népszava nicht begehen. Diejenigen, die dies von ihnen erwartet hätten, sind keine Freunde der unabhängigen Medien, sondern deren Feinde.“

444 (HU) /

Teil des Orbán-Systems

Der Journalist László Szily sieht es anders und betrachtet Népszava in 444.hu nicht als unabhängige Tageszeitung:

„Népszava gehörte spätestens seit 2016 zum Mediensystem der Regierung, allerdings nicht in Form einer direkten Eigentümerschaft. ... Die an der kurzen Leine gehaltene Népszava wurde in Form staatlicher Werbeanzeigen von der Regierung finanziert. Der Grund dafür war, dass sie mit dieser scheinunabhängigen Zeitung versuchten, die nicht ausreichend informierten oppositionellen Leser zu beeinflussen. ... Auch aus diesem Grund lassen sie sie nun los, da sie sie nicht mehr brauchen.“