Polen: Eskalierte Fremdenfeindlichkeit gegen Ukrainer
In Breslau ist ein ukrainisches Paar am Sonntag von drei Männern zusammengeschlagen worden. Die Polizei hat bisher zwei Tatverdächtige inhaftiert. Noch vor einigen Jahren sei die Welt beeindruckt gewesen, wie solidarisch sich die Polen gegenüber Flüchtlingen aus der Ukraine verhielten, sagte Premierminister Donald Tusk: "Das alles wird gerade zerstört." Medien aus beiden Ländern beleuchten das Kippen der Stimmungslage in Polen.
Wo bleibt das Machtwort?
Rzeczpospolita fordert ein Zeichen von der Politik:
„Die Rechte rühmt sich sehr damit, dass Polen ein sicheres Land ist, in dem Frauen abends allein auf der Straße gehen können, ohne von Migranten belästigt zu werden. Es sei denn, sie sind selbst – wie die misshandelte Ukrainerin – Migrantinnen. Politiker – egal ob von rechts oder von links – sollten sich dieser Normalisierung von Gewalt entschieden widersetzen. Es ist an der Zeit, 'Genug!' zu sagen.“
Geschürte Vorurteile abwehren
Tygodnik Powszechny fordert einen gesellschaftlichen Aufschrei in Polen:
„Die Stimmung in der Bevölkerung sei unbeständig – so hört man, als wäre sie eine Naturgewalt und nicht das Ergebnis widerlicher Vorurteile, die durch russische Propaganda und unsere eigene Schuld genährt werden. Vorurteile, die auch von unseren heimischen Parteien aus politischen Gründen geschürt werden. Man würde sich wünschen, dass die Reaktion auf diese Stimmungen entschlossen ausfällt und lautet: non possumus. [lateinisch: 'Wir können nicht'. Die Formulierung wird in Polen mit dem Widerstand der katholischen Kirche gegen den Kommunismus assoziiert.]“
Die EU muss sich einmischen
Ewropeiska Prawda verlangt die Aufmerksamkeit Brüssels:
„In den vergangenen Monaten hat sich die Einstellung gegenüber den Ukrainern bei einem Drittel der Polen verschlechtert. Der polnische Staat ist offenbar nicht in der Lage, das Problem der zunehmenden Feindseligkeit gegenüber den dort lebenden Ukrainern zu lösen. Mitunter trägt er sogar selbst dazu bei. Selbst wenn Übergriffe bestraft werden, trifft es nur die unmittelbaren Täter – nicht jedoch jene Politiker und Amtsträger, die Hass schüren. Deshalb ist internationale Aufmerksamkeit notwendig. Und die Europäische Union kann dabei die gewichtigste Stimme erheben.“