Rumänien: Was tun gegen Desinformation?
In Rumänien werden sieben Personen verdächtigt, das Team eines Rettungswagens mit Knüppeln, Äxten und Steinen angegriffen zu haben. Zuvor hatte sich auf Tiktok eine Falschmeldung verbreitet, wonach Kindesentführer als Rettungsteam getarnt unterwegs sein sollen. Rumänische Medien schwanken zwischen Wut und Ernüchterung.
Da brodelt eine giftige Mischung
Der Politikberater Radu Hossu beschreibt in Republica.ro, warum Falschmeldungen wie diese in Rumänien auf fruchtbaren Boden fallen:
„Weil wir eine Gesellschaft sind, in der EU-weit die meisten funktionalen Analphabeten leben und das Vertrauen in die Institutionen auf einem historischen Tiefstand ist. Allein diese beiden Faktoren ergeben eine giftige Mischung über Generationen hinweg. Wenn wir dann die Desinformationskampagnen im hybriden Krieg hinzufügen, die von unseren politischen Eliten ignoriert werden, dann verstehe ich nicht, warum uns dieser Vorfall so überrascht.“
Lügen entlarven reicht nicht aus
Der Sozialwissenschaftler und ehemalige Staatssekretär Ciprian Necula fordert in Hotnews, Desinformationskampagnen ernst zu nehmen:
„Das Problem ist, dass es eine Industrie gibt, die in der Lage ist, jede erdenkliche Angst zu bestätigen, Menschen zusammenzubringen, die dasselbe glauben, und einen Verdacht sehr schnell in eine Gewissheit zu verwandeln. ... Es reicht nicht aus, jede Lüge zu bekämpfen, nachdem sie bereits viral gegangen ist, denn dann ist es oft schon zu spät. Der Staat muss das Verhältnis zwischen Bürger und Institution wiederherstellen, ernsthaft in Medienbildung investieren, in den Gemeinschaften und im digitalen Raum präsent sein und verstehen, dass Desinformation kein nebensächliches Thema mehr in der öffentlichen Kommunikation ist, sondern ein Problem, das zu sehr konkreten Folgen führen kann.“