Wo liegt die Verantwortung für den Tod von Arday?
Der wegen Plagiatsvorwürfen und offenbar unstimmigen biografischen Angaben Anfang August zurückgetretene Cambridge-Professor Jason Arday ist am Freitag in London tot aufgefunden worden. Der Bildungssoziologe war 2023 mit 37 Jahren der jüngste schwarze Professor der Eliteuniversität geworden. Ihr Rektor Chris Smith sprach von einer "rassistischen Hetzjagd" im Zusammenhang mit den gegen Arday erhobenen Vorwürfen.
Rassismus in Aktion
Ardays Tod sollte besonders die Rechte zum Nachdenken bringen, die seinen Fall für einen Kulturkampf gegen Diversität instrumentalisiert hat, fordert The Guardian:
„Arday wurde zum Anschauungsobjekt einer ideologischen, fast schon 'Trumpianischen' Kampagne gegen Diversität und Inklusion. Bei den Vorwürfen ging es nicht mehr nur um das Verhalten eines einzelnen Wissenschaftlers oder seine bisherige Laufbahn. Sie wurden vielmehr als Beleg dafür herangezogen, dass Arday seinen Platz in Cambridge nie verdient habe und nur wegen seiner Hautfarbe gefördert worden sei. Die Angriffe waren unerbittlich, häufig parteiisch und wurden online ohne Unterlass weiter verstärkt. So sieht Rassismus in Aktion aus.“
Ein Opfer von falsch verstandenem Antirassismus
Kritisches Hinterfagen darf nie abgeblockt werden, mahnt die taz:
„Indem Ardays Aufstieg in besonderer Weise öffentlich gefeiert und als gesamtgesellschaftlicher Fortschrittsbeweis inszeniert wurde, weckte er logischerweise ein besonderes öffentliches Interesse. Unangenehme Fragen dazu sind in einer Gesellschaft, der auf diese Weise der Spiegel vorgehalten werden soll, nicht rassistisch, sondern legitim. Aber statt offen und ehrlich darüber zu reden, blockten diejenigen, die Arday in eine untragbare Position gebracht hatten, jede Debatte ab. Arday ist nicht Opfer von Rassismus geworden. Eher ist er ein Opfer eines falsch verstandenen Antirassismus, der Einzelnen willkürlich ungerechtfertigte Vorteile verschafft, statt systematisch ungerechtfertigte Nachteile auszugleichen.“
Ausgenutzte Spielfigur der Inklusivität
Für Svenska Dagbladet ist der Fall ein Warnsignal:
„Die Alarmglocken hätten ohrenbetäubend läuten müssen. Aber man wollte so gerne einen schwarzen Professor einstellen. Einer von Jason Ardays ehemaligen Mentoren, der in der New York Times interviewt wurde, bezeichnet ihn als Spielfigur, als einen jungen Mann, der vom System ausgenutzt wurde. Man war so sehr darauf bedacht, inklusiv zu wirken, dass man beschloss, die Schwachstellen in Ardays akademischer und privater Vergangenheit zu ignorieren. Dem Kampf gegen Rassismus ist damit kaum ein Dienst erwiesen.“
Presse hatte jedes Augenmaß verloren
Die Medien sollten ihren Anteil am Tod Ardays reflektieren, so Irish Independent:
„Seine Geschichte wurde behandelt, als wäre er ein hochrangiger Politiker, der sich mit Lügen an die Spitze gemogelt und die Wähler getäuscht hätte, oder als wäre er ein kriminelles Genie, das endlich zur Rechenschaft gezogen wurde. Er war, wie wir im Journalismus sagen, 'gutes Material' – ein Geschenk für die Nachrichtenredaktionen und die Meinungsseiten. ... Es geht nicht darum, dass die Presse seine Verfehlungen hätte ignorieren sollen; es geht darum, dass jegliches Augenmaß verloren ging. Das war grausam und leichtsinnig. Wird man die Lehren daraus ziehen? Wohl kaum. Es wird viel über psychische Gesundheit und Medienhetze gesprochen werden. Bis zum nächsten Mal.“
Medien nicht zum Sündenbock machen
Die Presse hat nur ihren Job gemacht, hält The Daily Telegraph: dagegen:
„Die grundlegende Aufgabe der Presse besteht darin, die Wahrheit herauszufinden. Das grundlegende Problem an Ardays Darstellung, die von der Universität Cambridge und ihrer Pädagogischen Fakultät unterstützt wurde, war, dass große Teile seiner Darstellung nicht der Wahrheit entsprachen. Die Beweise dafür, dass er die Werke anderer plagiiert hat, sind erdrückend – 180 Vorfälle wurden angeführt und mit Quellen belegt. ... Die Presse deckte schwerwiegende Lügen auf, die dem Ruf einer unserer bedeutendsten Universitäten schweren Schaden zufügten, und berichtete darüber. Genau das erwartet man von einer 'verantwortungsbewussten' Presse.“